ARS UNA

Connecting Arts, Religion, Sciences - Alternative Philosophy of Development

  A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

Aufklärung und Toleranz


Intoleranz ist nicht nur eine Geißel unserer Zeit, sondern dies eh und je gewesen. Sogar im Tierreich gehen unsere lieben Freunde gar nicht immer sehr freundlich mit den Andersartigen um.  



Gotthold E. Lessing 1729 -1781  


Der Grund ist im Allgemeinen einfach zu durchschauen. Es geht um Territorialansprüche und meistens um knappe Resourcen. In der Mehrzahl der Fälle reduziert sich das Problem auf ein Entweder-so-oder-so.
Dies entspricht einer Ja-oder-nein-Logik, die inzwischen zunehmend als statisch und nicht gerade als modern angesehen wird. Mehr und mehr könnte ein Gefühl dafür entstehen, dass Feinabstimmung notwendig ist,- dass dadurch Dynamik und neues Potential entsteht, was mit der Anerkennung von Fuzzy-Logik als einer fortschrittlichen Erweiterung früheren Blockdenkens und entsprechend konditionierter Gefühle zusammen fällt. Es beschränkt sich nicht nur auf das Denken und Fühlen, sondern betrifft ganz entscheidend auch tiefer liegende Tabu-Bereiche, unseren Sex und Machtverhältnisse und dahinter auch all unsere Unternehmungen und Arbeiten. Oh ja, der Rabe möchte wieder einmal vom Kopf, dem Oberleib und dem Unterleib und den Extremitäten reden.
Toleranz sollte also etwas sein, das wir durch Einsicht und Gefühl und Umgang mit anderen Menschen und durch unser tägliches Leben lernen sollten, indem wir in sämtlichen Bereichen zunehmend fähig werden, dynamisch zu empfinden, auf Abstufungen zu achten und Schwarz-Weiß als fragwürdige Beschränkung zu sehen gegenüber einer farbigeren Welt mit viel mehr Nuancen. Das überbrachte Blockdenken, Blockempfinden, als Block handeln und dementsprechend unser Leben auszurichten ist im Grunde altmodisch, kann aber wunderbar zur Zementierung von Herrschaftsverhältnissen ausgenutzt werden. Es muss also mehr Verantwortung vom Staat auf den Einzelnen übertragen werden, was aber eine aufgeklärte Erziehung voraussetzt, woran es bei uns und nicht nur bei uns noch kräftig mangelt. Aber wenn an dieser Stelle ein moderner Mittlerer Weg erwähnt würde, hätte das bei den Meisten nicht etwa ein Philosophieren oder Meditieren darüber zur Folge, sondern die Leute würde auf die Rabenpest schimpfen und fluchen und zur Jagd auf solch unerwünschte Lebewesen blasen und deren Gekrächze als unverständlich, penetrant und lästig abtun.
Nuanciert zu denken und zu fühlen anstatt hart zu urteilen eröffnet eine viel bessere Feinabstimmung auf detailreiche Fragen und erlaubt uns, ein wenig mehr von einer Angelegenheit Abstand zu nehmen oder sich ihr vorsichtig anzunähern. Auf diese Art lassen sich auch Stimmungen, die schon im voraus zukünftige Trends erkennen lassen, früher spüren oder auch eventuell in Umfragen feststellen, um rechtzeitig daraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen und besser als anderweitig Entscheidungen zu treffen, die nicht einfach ein primitives Ja oder Nein beinhalten, sondern ein sinnvolles Korrektiv sind. Heikler ist alles im sexuellen und im Machtbereich. Doch auch dort sollten wir zunehmend lernen, dass Besitz nicht alles ist und Veränderungen nicht nur von Nachteil sind. Im Grunde sind dies Argumente gegen allzu fest gefügte Partnerschaften und zu große Machtanhäufungen, nach dem Motto „Nicht zu klein und nicht zu groß, nicht zu wenig und nicht zu viel, sondern im richtigen Maß“. Für unsere Unternehmungen und Aktivitäten lässt sich dieselbe Vorgabe ebenso anwenden.
Jetzt müsste wieder eine Lektion folgen, um was es eigentlich bei Aufklärung geht. Doch wer wagt schon an das Wespennest zu gehen, welches die etablierten und in ihrer Macht verfestigten Religionen aller Schattierungen darstellen? Sie durchdringen nahezu alles,- unsere Verfassungen, unsere Medien, unsere Vorstellungen von Sexualität und Macht, und unser tägliches Leben von A bis Z, auch dann, wenn wir persönlich vielleicht gar nicht mehr einer religiösen Gemeinschaft angehören wollen. Wann werden die lieben Mitmenschen lernen, Religion und Religiosität voneinander zu trennen? Doch das wird vielleicht in unserer mehr und mehr zerstörten Umwelt immer schwieriger, wenn wir abends am Himmel nicht einmal die Sterne mehr sehen. 

© Copyright Hans J. Unsoeld, Berlin 2018   
Updated April 27, 2018