ARS UNA

Connecting Arts, Religion and Sciences - Philosophy of Development

A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

  Wachstum und Entwicklung
Was ist Entwicklung? Wie sich Entwicklung entwickelt, lässt sich gewiss nicht in einem einfachen Schritt klären, sondern allenfalls rekursiv, d.h. in schrittweiser Annäherung.  Fragen nach einer Metaentwicklung könnten erfolgversprechender und sinnvoller als Fragen nach einer Schöpfung sein, welche nur einen einzigen Schritt darstellt und außerdem den Zusammenhang mit dem Vergehen unbegründet abtrennt. .


Das neunzehnte Jahrhundert hatte auch in diesem Kontext eine große Auseinandersetzung zwischen sprachorientierter und erfahrungsorientierter Philosophie gesehen. Dieser Disput wurde zumindest vorläufig von den Naturwissenschaften durch ihre großen, mit Experimenten und in der Technik bestätigten Erfolge entschieden. Heute sind jedoch die Naturwissenschaften sehr empfindlich an Grenzen des Erfahrungsbereichs gestoßen,- schon allein aus finanziellen Gründen, weil sowohl im Bereich der Elementarteilchen als auch in den Weltraumexperimenten die hohen Finanzierungskosten nur noch schwer vertretbar sind. Oft mag dabei kaschiert werden, dass auch Steueraufkommen unterer Einkommensgruppen der Bevölkerung zur Finanzierung von Vorhaben heran gezogen werden, wovon sie dann aber zumindest keinerlei ohne weiteres für sie einsehbaren Nutzen haben. Es wird kurzerhand festgelegt, dass diese zu keiner Entscheidung fähig und infolgedessen Fremdbestimmung gerechtfertigt seien.

Durch diese soziale Problematik tauchen Überlegungen auf, ob man auf anderem Wege weiterkommen könne. Einstein hat sich seinerzeit dagegen gewandt, dass man Naturwissenschaften beliebig vereinfachen könne. Das könnte jedoch vielleicht nicht in der gewohnten Form durch beweisführende Experimente, aber durch schrittweise Anpassung von Ansätzen geschehen, die nicht völlig spekulativ sind, sondern sinnvoll geeignet erscheinen, wenn sie aus anderen nicht völlig zusammenhanglosen Fachrichtungen genommen werden können und sich durch die Forderung nach möglichst guter Konsistenz weiter optimieren lassen.

Solche Ansätze könnten vor allem ein rein rationales Vorgehen infrage stellen und strukturelle bzw. holistisch verstandene Entwicklung einbeziehen. Vermieden werden muss ein Zurückfallen in Esoterik. Wenn dieses Vorgehen sich etwa in einer fraktalen Mathematik erfassen ließe, die auf Beziehungen zwischen aufeinander folgenden Generationen statt wie bisher auf funktionellen Zusammenhängen zumeist in Raum und Zeit beruht, würde das insbesonderre Singularitäten an den Übergängen zwischen Generationen beinhalten. Diese verletzen die Kontinuität und bedeuten damit die ausdrückliche Zulassung von Grenzüberschreitungen.

Dualismen (u.a. Masse und Energie oder Welle und Teilchen) scheinen eine große Rolle zu spielen und könnten für eine erheblich vereinfachte Darstellung bereits in der jeweiligen Axiomatik der betreffenden Mathematik als Basis integriert sein. Die dadurch akzeptierte Zweigleisigkeit von funktioneller und fraktaler Mathematik könnte einerseits dennoch eine große Vereinfachung insbesondere bei komplexen Vorgängen beinhalten. Andererseits wird dadurch der Übergang von Statik zu Dynamik nicht nur im rationalen, sondern in allen Bereichen als bestimmendem Element hervor gehoben. Demnach beinhalten auch die für fraktale Darstellung besonders wesentlichen Singularitäten an den Generationsübergängen insbesondere eine Dynamik.

Dadurch erhält nicht nur das Entstehen, sondern genauso das gleichermaßen mit Singularitäten assozierte Vergehen eine nicht mindere Bedeutung. Der Tod und auch alle anderen Formen des Vergehens sind also in jeder Hinsicht norwendig für Entwicklung. Damit erscheint es als höchst fragwürdig, den natürlichen Tod aufhalten zu wollen. Doch genausowenig sollte der Tod gleichsam gefördert werden, weder durch Kriege zwischen den Menschen noch durch Schlachthäuser bei den Tieren. In der Natur bildet sich offensichtlich ein Gleichgewicht, eine Art von Mittlerem Weg zwischen Entstehen und Vergehen, zwischen Geboren-werden und Sterben, also auch hier eine Dynamik.

Entscheidend für uns ist der Übergang nicht nur von statischem zu dynamischen Denken, sondern das Statische und das Dynamische in allen Lebensbreichen sehen zu lernen, was gleichsam die Notwendigkeit von Meditation anstelle von fixierten Verhaltensweisen notwendig macht. Fixiert werden Verhaltensweisen vor allem oft in Religionen, welche feste Glaubensgrundsätze festschreiben. So entsteht dadurch ein Aufruf zu erneuter zzunehmender Sekularisierung, welche jedoch auch in einem Gleichgewicht stehen muss.

Hierdurch eröffnet sich Neuland, das durchaus etwas mit Abenteuern zu tun haben mag, denn diese bedeuten Grenzüberschreitungen Dem Autor ist durch in fixierten gesellschaftlichen Verhältnissen nicht übliche, als Heuristik genutzte Grenzüberschreitungen, gemeinhin Abenteuer genannt, das duale Wesen wohl jeglicher Entwicklung von ganz anderer Seite deutlich geworden, die sich also auf duale Art verstehen lässt, nämlich entweder durch Funktionen in Raum und Zeit oder durch Fraktale unter dem Generationsaspekt.

Einerseits lassen sich funktionelle Unterschiede beim Übergang von einer Kultur in eine andere, zum Beispiel von einem Kontinent in einen anderen, sowohl persönlich erleben als auch an gesellschaftlichen Verhältnissen ablesen und im Prinzip in Raum und Zeit beschreiben. Andererseits kann man urch Hervorgehen neuer Generationen entstehende Unterschiede ebenfalls persönlich erleben und auch an gesellschaftlichen Verhältnissen ablesen, wobei diese aber etablierte Eingrenzungen in Raum und Zeit sprengen und im Grunde vermutlich nur fraktal als Singularitäten verstanden werden können. Man mag an Tabubrüche denken. Private und öffentliche Verhältnisse spiegeln sich dabei einander gegenseitig und bilden ein Ganzes.

Ein klare begriffliche Trennung ergibt sich durch den im üblichen Sprachgebrauch bereits spürbar etablierten Unterschied zwischen Wachstum und Entwicklung. Wachstum wird meist funktionell verstanden und muss die Grenzen des Gültigkeitsbereichs respektieren, was z.B. zur Kontaktinhibition führt. Entwicklung im hier gebrauchten Sinn muss dagegen dieser Einschränkung nicht unterliegen. Sie beginnt und endet mit singulären Ereignissen, populär als Geburt oder Entstehung und Tod oder Katastrophe bezeichnet. Deutlich sei gesagt, dass dieser an den Übergang zwischen Generationen gebundene Gebrauch des Wortes "Entwicklung" im Widerspruch steht zu dem zum Beispiel der Entwicklungsphysiologie üblichen Gebrauch innerhalb einer einzigen Generation.

Außer Geburt und Tod gibt es auch andere singuläre Ereignisse, etwa von der Umwelt herrührende Katastrophen als auch möglicherweise genetische Mutationen. Welche Rolle spielen diese dabei in kulturellen Entwicklungen? Man kann Kultur als Bindeglied  oder Wechselwirkung zwischen der Natur und den Menschen verstehen. Kulturelle Entwicklungen sind ebenfalls Mutationen und Katastrophen unterworfen und bringen neue Kulturformen mit sich. Damit verbundene Grenzüberschreitungen beschleunigen Entwicklungen im hier verwendeten Sinn, während viele andere sogenannte Entwicklungen, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich, demnach als Wachstumsprozesse verstanden werden sollten und dementsprechend bekanntlich immer häufiger an "Grenzen des Wachstums" stoßen, was von Euphorikern des Kapitalismus bestritten wird..

Dass verdeutlicht die Behauptung, dass Entwicklung und Wachstum zwar grundverschiedene, aber dual einander zugeordnete Vorgänge sind, was enorme Bedeutung für das praktische Leben und damit auch die Politik haben kann. Als neue Frage kommt zunächst einmal auf, ob die offensichtlich damit verbundene prinzipielle Einschränkung von Wachstum auf kontinuierliche Prozesse innerhalb einer Generation umgangen werden kann. Ist Wachstum selber eine unveränderliche Erscheinung oder kann es sich selber grundlegend ändern, also weiter entwickeln? Schwerwiegender ist die prinzipielle Möglichkeit von Grenzüberschreitungen bei der derart charakterisierten "echten" Entwicklung von Generation zu Generation wegen dadurch potenziell entstehenden Konflikten. Das betrifft zum Beispiel Erbkonflikte und/oder die Unmöglichkeit, Einflussbereiche über viele Genrationen hinweg dauerhaft zu fixieren. Ein Verständnis solcher Situationen sollte jedoch bereits zu Konfliktlösungen durch Kompromisse oder den auf diesen Webseiten vertretenen und vor allem Meditation befürwortenden modernen Mittleren Weg beitragen.


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Updated June 15, 2017