ARS UNA

Connecting Arts, Religion and Sciences - Philosophy of Development

A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

Philosophie der Entwicklung

Manche Tatsachen in der Natur werden besser wiedergegeben durch die Verknüpfung von Eigenschaften von aufeinander folgenden Generationen anstatt durch Eigenschaften in den Dimensionen von Raum und Zeit. Durch die Verwendung von Fraktalen anstelle von Funktionen werden durch Generationen buchstäblich Dimensionen beschrieben. Fraktale Mathematik könnte ohne Bezug auf Raum und Zeit konzipiert werden und möglicherweise in Domänen angewendet werden, in denen Raum und Zeit nicht definiert sind. Das Zählen von Generationen erzeugt dann ein Äquivalent zur Zeit.  

Weil wissenschaftliche Experimente normalerweise in Raum und Zeit beschrieben werden, kann es Domänen außerhalb des Definitionsbereichs von Raum und Zeit und damit der eigentlichen Naturwissenschaften geben, wo  Experimente durch etwas anderes ersetzt werden sollten. Dies würde bedeuten, andere Disziplinen für Forschung über diese Grenzen der Definition hinaus einzubeziehen. Optimierung könnte die experimentelle Überprüfung ersetzen. Da Lebensprozesse voll und ganz mit den allgemeinen Naturgesetzen vereinbar sein müssen, können möglicherweise Leitlinien für die Optimierung gefunden werden, indem man relevante andere Disziplinen berücksichtigt und vergleicht. Was könnten solche Disziplinen und ihre typischen Eigenschaften beim In-Beziehung-setzen verschiedener Generationen sein?

Religion (nicht institutionalisiert) und Kunst wurden traditionell als gleichwertige Disziplinen im Leben betrachtet. Heutzutage werden sie in der wissenschaftlichen Forschung nicht akzeptiert, weil sie keine Versuche unter kontrollierten Bedingungen zulassen. Wir können besser von Religiosität sprechen, die sich an einfacher traditioneller Moral orientiert. Entsprechend wird die Kunst von Authentizität geleitet, wie sie in Ausdruckskraft, Schönheit oder Symmetrie gefunden wird. Die Naturwissenschaften als dritte Disziplin schätzen das Prinzip der Konsistenz, das als ein Muss für ernsthafte Kontrollen genommen wird. Generell ist ein Prinzip in diesem Sinne eher als etwas Anzustrebendes denn als ein strenges Gesetz gemeint.

Jede Art von Prozessen, die von der klassischen Mathematik beschrieben werden, impliziert die Existenz von Grenzen, in denen sie definiert sind. Die Expansion ist beim Wachstum von biologischen Zellen durch Kontakthemmung begrenzt (nicht definierter oder nicht erlaubter Bereich). In der Elementarteilchenphysik ist die Expansion in ähnlicher Weise durch das Pauli-Prinzip durch seine wesentliche Konsequenz begrenzt, daß verschiedene Teilchen sich nicht durchdringen können. Diese Art der Expansion ist mit Wachstum gemeint. Die von einer fraktalen Mathematik beschriebene Expansion würde Grenzen nicht respektieren und kann als echte unbegrenzte Entwicklung betrachtet werden. Wachstum bedeutet also räumliche Expansion vor allem innerhalb einer Generation, während Entwicklung ein Ergebnis aufeinander folgender Generationen ist. Mit Entwicklung ist das Kommen und eventuelle Verschwinden von Merkmalen gemeint. Evolution bedeutet dagegen das Auftauchen von dauerhaften neuen Eigenschaften.

So werden die Begriffe Wachstum und Entwicklung als grundsätzlich verschieden bzw. einander entgegengesetzt verstanden. Sie können als Dualismus oder vielleicht sogar als Basis für die Beschreibung aller Dualismen in der Natur gesehen werden. Der Teilchen-Wellen-Dualismus, der von de Broglie im Jahre 1924 gefunden wurde, bezieht sich auf Teilchen von begrenzter räumlicher Ausdehnung und schließt gleichzeitig den Begriff einer Welle ein, die überhaupt nicht in ihrer Ausdehnung begrenzt ist.

Wachstum beinhaltet in der Politik Grenzen, wie es durch den Club of Rome 1972 bekannt wurde. Das Wachstum ist ein vergleichsweise kurzfristiges Ergebnis der Respektierung von Grenzen, während verschiedene historische Invasionen langfristige Entwicklungen trotz oder durch respektloses Brechen von Grenzen oder Tabus verdeutlichen. Grenzen und Tabus, wie man sie gesehen hat, bedeuten zu einem großen Teil das gleiche. Sesshaftes Leben braucht Respekt der Grenzen und beschränkt die Freiheit, während nomadisches Leben zm Gegenteil neigt, nämlich Freiheit höher als Grenzen oder Tabus zu schätzen.

Beide Formen der Expansion existieren und können nötig sein. Bei einseitigem Bezug auf Raum und Zeit oder aber auf Generationen als Referenzschema sind Konflikte gleichsam vorprogrammiert und schwer zu vermeiden. Zu respektieren und nicht zu respektieren schließen sich logisch einander aus. Dies könnte bei einer dazwischen liegenden abwägenden Sicht anders sein. Expansionen werden dann zumindest weniger von Grenzen und Tabus abhängig, folgen eher den Richtlinien der Optimierung und können sich über Räume und Zeiten erstrecken, die größer als eigentlich erlaubt sind.

Das bedeutet Modifikationen der zuvor bestehenden strengen statischen Regeln der Logik, Moral und, wie durch den Existenzialismus gezeigt, auch der Authentizität. Klassische Logik entscheidet strikt zwischen wahr und falsch, klassische Moral entscheidet in gleicher Weise einfach zwischen gut und schlecht und klassische Authentizität ebenso zwischen echt oder fake (Täuschung). Diese drei Paare können als Extrempunkte der Grunddimensionen des Lebens betrachtet werden. Moderne Sichtweise bedeutet, dass variable Zwischen- und damit dynamische Werte auftreten. Dinge können mehr oder weniger wahr sein, mehr oder weniger gut, mehr oder weniger authentisch. Grundsätzlich entspricht eine solche Bewertung den Koordinaten-Messungen in Naturwissenschaften, Technik und klassischer Mathematik.
Es ist offensichtlich, dass die tatsächliche Welt nicht nur mit Schwarz und Weiß oder durch links und rechts beschrieben werden kann. Es gibt immer ein kontinuierliches Spektrum zwischen den Extremen, also auch zwischen wahr und falsch, was zu Fuzzy-Logik führt, und ebenso zwischen gut und schlecht und zwischen echt und vorgetäuscht. Der Weg des Fortschritts muss zwischen diesen Extremen durch Optimierung gefunden werden. Extreme Positionen, die statische Lösungen charakterisieren, gelten als Fundamentalismus. Optimierung wird zu einer typischen Aufgabe konsequenter dynamischer Sicht und weist damit deutlich auf Kunst hin. Jede Art von Kunst in der Natur, im Leben und als Werk eines Künstlers braucht Optimierung.

Extreme Lösungen, eine rein statische Sicht oder Arten von Fundamentalismus sind daher zu vermeiden. Ganz richtig bedeutet Gesetz und Ordnung, während durch völlig falsch, Vernachlässigung von Gesetzen und Anarchie gemeint ist. Exklusiv gut würde auf den Wettbewerb verzichten und sich nur auf soziale Aspekte verlassen, während der extreme Darwinismus jeden Begriff des Guten im moralischen Sinne ausschließt. Die totale Echtheit würde nur Egoismus und Selbstverwirklichung beinhalten, während gänzliches Fake das Gegenteil mit völliger Verkleidung und Mangel an eigenem Wesen ist.

Jede Art von Expansion, - Wachstum sowie Entwicklung und sogar Evolution,- folgt gerichteten Leitlinien und ist somit vektoriell. In einem räumlichen System ist die Zeit eine unidirektionale Leitlinie (der Pfeil der Zeit) und könnte daher durch natürliche Zahlen gemessen werden, was auf das Zählen von Schritten hinweist. In einem fraktalen System wird dieser Aspekt der vierten noch übrigen "Dimension" überlassen, die den Grad der Ordnung oder des Chaos angibt und nicht unidirektional ist, sondern einer Optimierung bedarf. Das ist ein wichtiges Thema. Weder vollständige Ordnung noch totales Chaos, sondern ein Weg dazwischen ist jetzt die Leitlinie. Man könnte an den Mittleren Weg im Buddhismus denken. Hier aber führt es zum Verständnis, dass das wirkliche Leben weder in einem Kloster noch auf einem Schlachtfeld optimiert werden kann. Kunst findet ihren besten Ausdruck entlang den Grenzen zwischen Ordnung und Chaos. Unsere Existenz muss in einem Bereich zwischen dem Streben nach Authentizität und dem Übernehmen von Rollenspiel im gesellschaftlichen Leben verwirklicht werden. Als eine Warnung sollte gesagt werden, dass in irreführender Weise in fraktalen Theorien bisweilen der Begriff Dimension auch für die Beschreibung des dort übrigens nicht ganzzahligen Ordnungsgrads verwendet wird.

Warum haben wir genau Religiosität, Kunst und Wissenschaft als Basis für diese Optimierung gewählt? Religiosität bezieht sich auf gut und böse, Kunst folgt den Regeln der Echtheit, die mit Schönheit und Harmonie in Verbindung gebracht werden können, und vor allem die Naturwissenschaften betrachten die Wahrheit als das Wichtigste, welche nur in der klassischen Mathematik zu strenger Logik führt. In fraktaler Sicht wird Konsistenz dagegen eine zu optimierende Qualität, nicht eine absolut bestimmte.

Die richtige Ausgewogenheit zwischen Ordnung und Chaos ist die allgemeine Richtlinie. Der richtige Weg kann zwischen den Extremen der Künste optimiert werden, also zwischen authentisch und falsch, oder einer Religion, also gut und schlecht, oder in den Wissenschaften, wo die Wahrheit am höchsten zählt. Diese Sicht schreibt dem Mittleren Weg eine moderne Bedeutung zwischen den Extremen von völliger Ordnung oder  totalem Chaos zu. Während der Buddhismus den achtfachen Pfad als acht wichtige Aspekte für das Finden von Einsicht und Erlösung versteht, bedeutet die hier vertretene Sicht ein Ausgleich zwischen acht Extremen, vier auf jeder Seite des Weges.

Das Wort ARS bedeutet die englischen Anfangsbuchstaben von Kunst, Religiosität und Wissenschaften. UNA soll besagen: vereinigt (united), natürlich und alternativ.   

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Updated August 19,  2017