ARS UNA

Connecting Arts, Religion and Sciences - Philosophy of Development

A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

Preface                                Vorwort

Do we still need religion in the 21st century?


 Most people will answer ‘yes’. However, there are still other people who will answer ‘no’, especially those in countries where technical progress has brought important new perceptions, a better more secure life, and many other kinds of changes as a result of secularisation.

 

This negative opinion towards religion which many people have gains further support because of media reports about grievances in ecclesias­tical circles, offences by political partisanship, contro­versies concerning scientific discoveries, and engagements due to violent differences. Yet even more importantly, many people feel that life can go on without religion as easily as it goes on with it. ‘Life is self-regulating’, they will say.

 

These negative feelings we experience as a result of rejecting religion can be countered by differentiating more and more between ‘religion’ and ‘religiosity’. Religiosity is something people accept freely even though they take it as something necessary. What could be behind this apparent ambiguity? Is it a question of the specific religion being taken into consideration, or is this ambiguity founded on far more general questions that concern the essen­ce of all religions?

Certainly it is of interest to ask where people who are not completely without culture will direct themselves to as they do, when religion does not satisfy them any more. There are two societal groupings into which we can classify such people. In the first group we find people who dedicate themselves to the basics of advances in technical progress, i.e. the sciences, and who try to critically understand what the deeper context is all about. In the second group we find people who believe this first group lacks sentimentality, and that an alternative to this complexity is to get involved in one of the many branches of arts.

Finally, we should address the question of what these people who seem to be without culture, and yet nevertheless are very active in life, will do with themselves. Are they just bad people in a moralistic sense, are they condemned to not having any enlightened perceptions during their lifetime, or how else can we understand them? How can we characterise this group of people who are seemingly without a critical faculty of judging what is meaningful for their lives? It seems they want to be master of their lives, thereby following a deeper natural impulse led by power and sex.

The intention of the following text is to bring more insight into the context outlined above. The old traditions might start by considering this context beginning with the advent of Adam and Eve; however, the world was likely created a long time before Adam and Eve. Therefore, and first of all, we need to ask ourselves, what can be said about this context from a modern point of view.

Brauchen wir im 21.Jahrhundert noch Religion ? Ja, werden viele in der Öffentlichkeit sagen. Aber nein, werden vielleicht noch mehr Menschen heute für sich allein vor allem in denjenigen Ländern sagen, in wel­chen der technische Fortschritt wichtige neue Erkenntnisse, ein besser gesichertes Leben und vielerlei Ver­änderung durch Säkularisierung gebracht hat.

Diese ungern geäußerte ablehnende Meinung wird gestützt von Berichten über Missstände im kirch­lichen Bereich, seien es Verfehlungen von dort tätigen Leuten oder politische Parteinahmen oder Kon­troversen bei wissenschaftlichen Entdeckungen oder Verwicklungen in gewaltsame Auseinan­der­setzun­gen. Noch viel gewichtiger scheint aber bei vielen Menschen das Gefühl zu sein, dass das Leben ohne Religion genauso abläuft wie mit ihr. Das Leben regelt alles ganz von allein, heißt es.

Dem unguten Gefühl, das uns bei der Ablehnung von Religion beschleichen mag, wird damit begeg­net, dass immer häufiger ein Unterschied zwischen Religion und Religiosität gemacht wird. Letztere wird gerne akzeptiert und sogar als notwendig empfunden. Was steckt hinter dieser Zwie­späl­tigkeit ? Ist das eine Frage der speziellen Religion, die wir in Betracht ziehen, oder liegen die Ursachen in viel allgemeineren Fragen, die im Grunde alle Religionen betreffen ?

Bestimmt ist es nicht ohne Interesse, sich zu fragen, wohin sich nicht völlig kulturlose Menschen wenden, wenn ihnen Religion nicht mehr zusagt. Zwei große Gruppen scheint es zu geben. Ein Teil von ihnen widmet sich den Grundlagen unseres gewaltigen technischen Fortschrittes, nämlich den Wissenschaften, und versucht gedanklich zu verstehen, wie denn die tieferen Zusammenhänge unse­rer Welt sind. Einem anderen Teil von ihnen scheint dieses Vorgehen einerseits zu gefühllos und andererseits zu kompliziert zu sein, so dass eine Beschäftigung mit einem der vielen möglichen Zweige der Kunst vorgezogen wird.

Schließlich sei auch die Frage gestattet, was denn nun scheinbar kulturlose, aber dennoch im Leben aktive Leute tun. Sind sie alle in einem gewisen moralischen Sinne schlechte Menschen, die dazu verdammt bleiben, zu keinerlei Erkenntnis im Leben zu kommen, oder was sonst ? Wie können wir diese Gruppe ohne Bewertung charakterisieren ? Es scheinen diejenigen zu sein, die sich einfach im Leben durchsetzen wollen und damit einem tiefen, in der Natur liegenden Trieb folgen, der durch Sex und Macht bestimmt ist.

 Ein wenig mehr Licht in diese Zusammenhänge zu bringen, ist der Sinn des folgenden Textes. Die alte Tradition, bei solchen Überlegungen bei Adam und Eva anzufangen, hat vielleicht einen tiefe­ren Grund. Doch noch lange vor Adam und Eva wurde angeblich die Welt erschaffen. Als erstes wollen wir uns fragen, was sich dazu aus moderner Sicht sagen läßt.