ARS UNA

Connecting Arts, Religion, Sciences - Alternative Philosophy of Development

  A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

Bewegungen statt Parteien
Parteien sind statisch, Bewegungen dynamisch

Übergang von statischer zu dynamischer Sicht kann momentan in geistigen Entwicklungen weltweit beobachtet werden. Nicht nur Philosophie, sondern quasi alle Natur-, Kultur- und Lebensbereiche dürften davon betroffen sein.   

Diese wohl grundlegende Veränderung, welche durchaus den Charakter eines neuen Paradigma-Wechsels haben könnte, scheint bislang kaum Eingang ins allgemeine Bewusstsein gefunden zu haben. Auf der Webseite ARS-UNA.net ist in vielen Beiträgen davon bereits die Rede gewesen, was jedoch bisher nur minimale Resonanz hervorgerufen hat aus verschiedenen, wahrscheinlich noch nicht völlig geklärten Gründen. Betont wurde dabei regelmäßig, dass ein enger Zusammenhang von privatem und öffentlichen Leben bestehe, welcher diese beiden wesentlichen Teile des Lebens de facto zu Spiegelbildern voneinander mache.

Im öffentlichen Raum, welcher an erster Stelle von Politik eingenommen wird, ist dabei die Tatsache bislang kaum deutlich gemacht worden, dass die Idee von Parteien generell in erster Linie ein statisches Weltbild beinhaltet,. Weithin beobachtet man „Parteienmüdigkeit“, insbesondere unter der im höheren Maß dynamischen Jugend. Jedoch sind die Zusammenhänge bislang praktisch völlig im Dunkeln geblieben.
In einem dynamisch verstandenen öffentlichem Raum, d.h. wenn dieser soweit wie möglich von fundamentalistischen Vorstellungen frei gehalten wird, und in der dazu gehörigen Politik ist das dynamische Gegenstück zu einer Partei ganz klar eine Bewegung. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht statisch festgelegt ist durch Statuten, Grundsatzerklärungen und Satzungen, sondern sich Spielraum für unerwartete Vorgänge und Entscheidungen bewahren kann und muss. Derart  verstandenen Bewegungen gehört sicher die Zukunft anstelle der bisherigen Parteien. Das klassische Parteienbild bzw. die Parteienlandschaft, von welcher vielfach gesprochen wird, ist also mit gutem Grund tot und muss durch etwas Neues ersetzt werden, welches eben mit praktischr Sicherheit Bewegungen sein werden. Mit auffälliger Häufigkeit tritt dabei in verschiedenen Ländern bei bereits sich zeigenden Neugründungen dieser Art das Wort Zukunft auf.
Als genereller Leitsatz lässt sich sagen, dass aus der Vergangenheit in der Gegenwart für die Zukunft gelernt und daraus praktisch umsetzbare Schlüsse gezogen werden sollen. Das bedeutet Dynamik und kann durch keine vorherigen Festlegungen irgendwelcher Art gelöst werden, was die Angelegenheit zunächst gefährlich vage aussehen lässt. Doch dürfte schnell klar sein, dass durch die dazu gewonnene Beweglichkeit dieser scheinbare anfängliche Nachteil mehr als ausgeglichen wird. Außerdem bedeutet Dynamik nicht, dass es deswegen keine statischen Anteile mehr gibt. Aber diese werden gleichsam auf den zweiten Platz verdrängt.
Derartige Überlegungen entsprechen im Prinzip den bereits im Rahmen der vorgeschlagenen neuen modernen alternativen Philosophie gemachten Bemerkungen zur Rolle des Anteils der Rationalität in dieser. Letztere wird absolut nicht eingeschränkt, jedoch kommen wichtige weitere Bereiche dazu, welche bislang mehr oder weniger tabuisiert waren. Vor allem auf drei Felder erstrecken diese sich, nämlich erstens auf Gefühle und Fitness, zweitens Sex und Macht, und drittens Mobilität und Aktivitäten. Diese jeweils zwei Anteile sind nicht als getrennte Paare anzusehen, sondern spannen jedes Mal Zwischenbereiche auf, in welchen dynamische Orientierung erfolgen kann und erwünscht ist.
Der wesentliche Vorteil von Bewegungen gegenüber Parteien dürfte darin liegen, dass wesentliche Nachteile der bisherigen Wahlsysteme verbessert werden. Generell lässt sich bislang sagen, dass ein Großteil der Wählerschaft wenig informiert ist über alle anstehenden Detailfragen und infolgedessen dazu tendiert, konservativ zu entscheiden, weil sie mögliche neue Entwicklungen progressiver Art entweder überhaupt nicht kennen oder nicht genügend verstehen, so dass eine rationale Entscheidung überhaupt nicht zu erwarten ist. Dies stellt gewiss den wichtigsten Grund dar für die gewaltige Zunahme des Populismus, aus welchem zur Zeit versucht wird massiv Vorteil zu schlagen, insbesondere in abgelegenen Gebieten, also z.B. mehr bei der Landbevölkerung als in den Städten, oder aber auch in Abhängigkeit vom Bildungsgefälle.
Ein weiterer wesentlicher Punkt beim Übergang von statischen zu dynamischen Verhältnissen ist das Verhältnis zu etablierten Religionen aller Art. Diese sind ihrem Wesen nach praktisch immer und überall mit nur geringen Ausnahmen in statischer Art fixiert, also etwa an grundlegende Schriften und Bekenntnisse gebunden und dienen wahrscheinlich oft mehr der Schaffung von gemeinsamer Identität als dem angeblich zentral wichtigen Glauben. Daher ist es praktisch zwangsläufig, dass der Übergang von statischen zu dynamischen Verhältnissen auch eine neue Säkularisierung bedeutet, was gewiss wie schon früher auf erbitterten Widerstand der Machtzentren aller etablierten Religionen stoßen wird. Hier muss viel behutsame Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit dieser Übergang zu neuen Lebensformen nicht erneut in grimmige Religionskriege ausartet. Dies betrifft ausdrücklich alle etablierten Religionen nahezu gleichermaßen. Besagte Zukunft, welche möglicherweise von jenen neuen Zukunfts-Bewegungen vertreten wird, mag sich also besser auf philosophische als auf religiöse Basis beziehen. Philosophie bedarf keiner Bekenntnisse und sollte jederzeit und an jeder Stelle zu dynamischen Anpassungen an die jeweiligen Gegebenheiten fähig sein.
Tendenziell könnte es also zunächst im privaten Raum von einer zu Gebeten neigenden statischen Haltung zu dynamisch verstandenen Meditationen gehen, welche als Basis angesehen werden für die Auslotung von Kompromissen, oder falls die Bezeichnung gestattet wird, eines modernen Mittleren Wegs. Im öffentlichen Raum, sprich in der Politik vor allem, sollte ein entsprechender Übergang von statischen Deklamationen zu einer durchaus von der Basis kommenden dynamischen Meinungsfindung stattfinden, in welcher also ein direktes Gegenstück zu persönlicher Meditation gesehen werden kann.  

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Updated April 12, 2018