ARS UNA

Connecting Arts, Religion, Sciences - Alternative Philosophy of Development

  A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

Entwicklung und Rekursion
Erweitertes Update

Künstliche Intelligenz in Spielen 

Veränderungen von Strukturen und deren Grenzen sind zweifelsohne primäre Charakteristika von Entwicklung. Anders als Basiswörtern wie Freiheit, Liebe, Zweck und Tod und Teufel können Strukturen und Grenzen nicht durch sprachliche Umschreibungen strukturiert oder eingegrenzt werden, also ausgehend von Vorhandenem, sondern nur durch schrittweise Annäherung unter Einbeziehung von systemfremden äußeren Einflüssen.

Sprachliche Begriffe bilden sich langsam heraus, was Kinder erstaunlicherweise besser als Erwachsene können. Heute ist bekannt, dass Spiegelneuronen der entscheidende Trick der Natur sind, mit denen das bewerkstelligt wird, welche aber, und das ist gewiss sehr wesentlich, später abgebaut werden und weitgehend, aber vielleicht nicht vollständig verschwinden.
Kinder gehen von einfachen Silben aus und lernen spielend, diese zu verändern und mit neuen Inhalten zu füllen.
Das ist offensichtlich auch eine gute Methode für kindliche ältere Philosophen, um Neuland zu erforschen und zwar absolut nicht nur menschliches, sondern in zunehmendem Maße auch tierisches.  Dass Menschen sich wie Tiere verhalten und sogar noch darüber hinausgehen können, haben wir, die Älteren, schmerzhaft in Kriegen gelernt. Die jüngeren Zeitgenossen, welche das Glück hatten, einigermaßen in Frieden zu leben, schirmen sich zunehmend wieder von diesem Bewusstsein ab, verleugnen ihre durchaus tierische Sexualität, und distanzieren sich von diesen auf im Grunde lächerliche Art durch Umhängen eines Penissymbols, genannt Krawatte oder Schlips.
Manche Basisdefinitionen können also im Grunde nicht einfach mit scharfen Grenzen irgendwelchen materiellen oder geistigen oder sogar sexuellen Strukturen zugewiesen werden, sondern “entwickeln” sich. Entwicklung beinhaltet also generell laufende Veränderungen. Im Stillen hoffen wir, dass dabei etwas Besseres als zuvor herauskommt, aber was als besser konzipiert wird, unterliegt diesen Veränderungen, ganz egal, ob wir Raumzeit oder etwa kulturelle oder Umwelt-Dimensionen als Referenzrahmen benutzen. Das gilt insbesondere auch für den Darwinismus.
Darwin ist bei religiösen Potentaten ziemlich unbeliebt, weil er deren Vorstellungen von festen Grenzen nicht honoriert. Im viktorianischen Zeitalter war es schwer zu vermitteln, dass strenge Treue etwa starre Grenzen bedeutet und für Entwicklung nicht immer das Beste ist. Aber völlig die Grenzen verschwinden zu lassen war gewiss auch nicht das Richtige, weil dann sich alle Strukturen auflösen. Dämme sind bei Hochwasser nötig, doch wenn ihr Bau zu aufwendig wird oder das Wasser zu stark ansteigt, gehen wir wohl besser zum Bau von Schiffen über. Das bedeutet im Prinzip Anerkennung von Nomaden, welche aber auch von irgendetwas leben müssen. Auch so entsteht Handel. Händler gehen gern in Beziehungen ein, welche sich aber nicht unbedingt völlig ab- oder eingrenzen lassen. Untreue kann als Produkt von flexiblem Handel verstanden werden. Dieser lässt sich nicht völlig abgrenzen, denn es geht außer um Gesellschaft auch um Individuen, welche sich aber beide nicht hinter dicken Mauern einsperren lassen.
Was tun? Menschen bleibt wie Tieren nur übrig, sich vorsichtig an unbekannte Ziele anzuschleichen, was gefährlich, aber kaum vermeidbar sein mag, wie wir heute erneut in der Raumfahrt lernen. Solche Entwicklungen spiegeln sich auch in der Sprache wider. Philosophen scheinen sich dabei wie Spiegelneuronen für Erwachsene zu fühlen. Die Sache wird heutzutage dadurch kompliziert, dass wir zunehmend ein mehr oder weniger vages Bewusstsein dafür haben, wie viele mögliche Sprachen es gibt, nicht nur in verschiedenen Ländern, sondern auch für verschiedene Werkzeuge, insbesondere  Computer, und auch bei Tieren und in Science Fiction auf Beteigeuze. Diese könnte vielleicht bald zu einer Supernova werden. Man muss um Entschuldigung bitten, wenn innerhalb der Grenzen von “normalen” Verständnissen, gemeint ist von durchschnittlichen, solche Ausdrücke verwendet werden. Aber auch neue sprachliche Metaphern könnten Entwicklung beinhalten. Doch wenn sich der Inhalt erweitert, bedeutet das die stille und leise Erweiterung von Grenzen. In der Politik hat Gorbatschow das den Europäern gestattet, Putin schiebt die Grenzen nun wieder etwas in die andere Richtung.
Große Strukturen brauchen aber für “gesunde” Entwicklung auch innere Grenzen. Die Natur zeigt, das Organe sehr sinnvoll und wichtig sind. Doch sie erfordern Kooperation von vielen ähnlichen Zellen mit einem geregelten Austausch zwischen diesen. Daran mangelt es vielleicht in der Politik zwischen großen Staaten. Zwischen dem US-amerikanischen mittleren Westen und Googleland, zwischen Shanghai und Uighurenland, zwischen Kairo und Wüstenland, zwischen Brüssel und Balkanland,- überall hapert es daran. Doch nicht nur zwischen räumlichen Bereichen oder Sprachen und Kulturen, selbst innerhalb der einzelnen Lebewesen gibt es dieses Phänomen, Denn diese bestehen aus verschiedenen Körperteilen mit verschieden stark ausgeprägten Grenzen zwischen diesen.
Besonderes Interesse hat erweckt, dass die Grenzen zwischen den Bereichen von Rationalität, Gefühlen. Sexualität und Aktivitäten auffällig denjenigen zwischen unseren vier Körperteilen Kopf, Ober- und Unterleib und Extremitäten entsprechen. Damit weisen sie uns, für viele auf unangenehme Weise, auf die unangenehme Tatsache hin, dass bei Menschen und Tieren diese Verhältnisse ähnlicher sind, als wir wahrhaben wollen. So wird gründlich auf das Primat von Rationalität gepocht und den höheren Tieren zum Schein die Bezeichnung Primaten gegeben, was als ziemlich verlogen erscheint. Darunter leiden sowohl die Tiere wie auch unsere eigene Sexualität. Beide können abgetötet oder zumindest stark eingeschränkt werden. Nomaden, die berichten, dass jenseits der nationalen Grenzen von zu starrer Legalität ganz andere Welten existieren können, haben nicht selten ber ganz andere Erfahrungen gemacht. Doch schon manchem von ihnen wurde Zeit ihres Lebens lang nicht geglaubt, so etwa Marco Polo oder Galileo Galilei. Sowohl die Chinesen als auch der Vatikan verlegten sich erfolglos auf das Errichten von Mauern. Bleibt einem modernen Entdecker nichts anderes übrig als eine tierische Identität anzunehmen, um der Übermacht der Rationalität zu entfliehen, welche aber im Grunde gar nicht falsch ist, sondern eben nur zu harte Grenzen der verschiedensten Art errichtet? Doch Grenzen können nicht von nur rational vorgehenden Institutionen erforscht und gestaltet werden, die schon als kleine Kinder mit der Lehre scharfer Grenzen erzogen worden sind. Wir können von Tieren lernen, dass Gefühle und Fitness, Sexualität und Macht, sowie Aktivität und Mobilität genauso wichtig sind.
Dieses Lernen kann nur rekursiv erfolgen, also durch Annäherung in kaum messbar kleinen Schritten an ein unbekanntes Ziel. Rekursion führt dort weiter, wo Logik das nicht mehr vermag. Entwicklung bedeutet unweigerlich mehr als logisches Vorgehen und schließt unter anderem damit Kreativität ein, aber auch so verschiedene und zur Zeit noch wenig erfasste Phänomene wie Digital Design oder Populismus. Umgekehrt kann jedes Spezialistentum, das strikte Einschränkungen, also scharfe Grenzen, akzeptiert, nicht als “echte” Entwicklung angesehen werden. Das gilt unter anderem auch für jedes Wachstum, das Kontaktinhibition unterliegt, sowohl in Biologie und Ökologie wie auch in Wirtschaft und Ökonomie.
Darwin ist nur dann gefährlich, wenn er sich auf Logik und Rationalität eingrenzen muss. Dann ist seine letzte Konsequenz, dass derjenige überlebt, der schneller schießt. Doch jenseits dieser Grenzen gibt es glücklicherweise friedlichere Gebiete, welche heute zunehmend unter dem Aspekt von Spielen betrachtet werden. Es ist gewiss begründet, dass diese insbesondere unter jüngeren Menschen so stark zunehmende Anziehungskraft ausüben. Sie erweitern unsere Konzepte von Intelligenz.

Bedeutung von Dimensionen und Singularitäten
Ein modernes Computerspiel könnte gewiss eine höhere Dimension als das fast antike Mensch-ärgere-dich-nicht haben. Obwohl dies zunächst kein allgemein akzeptierter Sprachgebrauch ist und auch kein klar definierter, hat der Begriff Dimension jedoch heute schon gefühlsmäßig eine deutlich weitere Bedeutung als vor noch nicht langer Zeit.
Spiele einer höheren Dimension als noch im vorigen Jahrhundert gehen entscheidend über die Denkformen und zugrundeliegenden Konzepte der damaligen Zeit hinaus. Letztere basierten in wesentlicher Weise auf dem Denken, das für Ansätze und Lösung von Gleichungssystemen partieller Differentialgleichungen typisch ist, nämlich die Annahme von geschlossenen Systemen. Diese haben harte Grenzen, so dass fast unbemerkt Singularitäten ausgeschlossen werden, welche für natürliche “lebendige” Vorgänge aber sehr sehr wesentlich sind. Denn jegliches Werden und Vergehen von Generation zu Generation und zusätzlich statistisch eintretende Katastrophen von Vulkanausbrüchen aus dem Inneren nicht nur unseres Planeten bis hin zu von außen kommenden Meteoriten beliebiger Größe haben erheblich zur Evolution beigetragen.. All dieses wurde in Forschung und Technik auf scheinbar harmlose Art durch vor allem mathematische Randbedingungen erfasst, die Fragen nach dem Start eines Geschehens ausschlossen. Interessant und vielleicht bis heute in diesem Zusammenhang nicht genügend untersucht sind die Maxwell-Gleichungen, welche durch Hinzunahme von Definitionen von Divergenz und Rotation eine darüber hinausgehende Erweiterung schufen. Die fest vorgegebenen Anfangsbedingungen bedeuten aber praktisch über den Rahmen der Mathematik hinausgehend eine Einschränkung von Entwicklungsmöglichkeiten, also der Entwicklung selber, auf Wachstumsvorgänge, d.h. auf kontinuierlich ablaufende Prozesse mit Grenzen auch für das Wachstum selbst. Das kam vor ca. 50 Jahren deutlich durch die im damaligen Vertrag von Rom auftauchenden Grenzen des Wachstums ins allgemeine Bewusstsein, ohne dass aber anfänglich die jetzt erscheinenden Konsequenzen bewusst wurden.
Künstliche Intelligenz als mathematische Disziplin geht über diese Einschränkungen hinaus insbesondere durch die Einbeziehung von Singularitäten, welche eben gerade durch die Verletzung der vormals akzeptierten Randbedingungen ins Spiel kommen. Das Wort Spiel taucht hier aber nicht nur als sprachliche Floskel auf, sondern bedeutet die ganz entscheidende Hinzunahme von Zufall einbeziehenden Spielen und somit Spieltheorie. Ansätze, welche nun also gleichsam ein Management für eben die Singularitäten haben müssen, sind aber nicht streng logisch erfassbar. Nun gibt es aber wiederum zumindest zwei Arten von Singularitäten im Leben, nämlich von der Natur geschaffene, wie oben in ihrer Bandbreite mit Vulkanen und Meteoriten umrissen, sondern auch kleine und große von Menschen und also potentiell von uns selbst geschaffene. Diese können in einem von individuellen Menschen gespielten Spiel abgefragt und für die weitere Gestaltung verwendet werden. Künstliche Intelligenz ermöglicht aber viel schneller Möglichkeiten von Konsequenzen zu erfassen, welche sich nun nach irgendwelchen Kriterien auswerten lassen, und zwar für das vorliegende gerade laufende Spiel selbst, aber auch zur externen Erfassung, sprich Hacken und Erstellung von nützlichen Persönlichkeitsprofilen.
Gaming ist damit absolut nicht nur ein netter Zeitvertreib, sondern hat das Zeug, zum wichtigsten Bereich einer Erweiterung unseres Wissens zu werden,. Das schließt auch die Art unserer Wissensverwertung ein und wird damit nach zusätzlicher Auswertung der Singularitäten sogar zum vielleicht wichtigsten Faktor kommender Entwicklung, eben einer Entwicklung, die weit über die uns in der vorigen Generation noch quasi eingetrichterten Formen von bravem Wachstum hinausgehen.
Singularitäten sind also nunmehr im Kernpunkt unseres Interesses. Man versucht die äußeren Naturkatastrophen wenigstens in einem für unser eigenes Leben erfassbaren Zeitraum vorhersagbar und zumindest teilweise beherrschbar zu machen, was umso schwieriger ist, je größer die betreffende Singularität ist. Doch die inneren Singularitäten im Wesen und Erleben jedes einzelnen Menschen kommen nun dazu und stellen selbstverständlich ein Gebiet dar, das ungemeines Interesse erweckt. Auch hier variiert die Größe der möglichen Singularitäten praktisch beliebig und kann in ihrer Größe durchaus die Größe von Naturkatastrophen erreichen. Das gilt sowohl für bereits eingetretene wie zum Beispiel die Bedeutung des abartigen Wesens eines Diktators wie Adolf Hitler, aber genauso für die Möglichkeit der Auslösung eines Nuklearkrieges, wie es in Kuba beinahe schon geschehen und nur durch den fast unbekannt gebliebenen couragierten und reaktionsschnellen Russen namens Stanislaw Petrow im Jahre 1983 verhindert worden ist. Doch ebenso wichtig ist gewiss die Auswertung all der in jedem Menschen vorkommenden kleinen Singularitäten für dessen Ausbeutung und Manipulation in fast unbemerkt bleibendem Maßstab.

© Alle Rechte  Hans J. Unsoeld,  Berlin 2020
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