ARS UNA

Connecting Arts, Religion, Sciences - Alternative Philosophy of Development

  A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

PubTalk in Berlin-Charlottenburg
Philosophische Treffen am Sonntag-Vormittag

Das nächste offene Treffen des MoMo PubTalk wird am Sonntag, den 23. Sept. 2018 um 11 Uhr wieder im Café "Al Mundo", Horstweg 5, 14059 Berlin-Charlottenburg stattfinden (U2 Sophie-Charlotte-Platz).  Als Thema wurde "Verteilungsgerechtigkeit" vorgeschlagen, aber noch nicht beschlossen.  


Eigene Beiträge  


Der neue Beitrag über "Synthetische Philosophie" kann als Diskussionsvorschlag genommen werden.  


Axiomatik  

Die Einführung von Axiomatik bedeutet zunächst einen rein rationalen Ansatz. Mathematische Axiomatik zur Naturbeschreibung formalisiert duale Wechselwirkung zwischen Operatoren (Quantoren und Verknüpfungen). Axiomatik kann jedoch als ein Kind alternativer Philosophie verstanden werden, wenn zunächst keine Eingrenzung auf  Denken und Wahrnehmen erfolgt. Bei Eingrenzung auf Logik sind vier Quantoren (messbare Größen) und vier logische Verknüpfungen erforderlich. Da auch hier nur drei real sein können (z.B. drei räumliche Dimensionen), ist der vierte Operator als imaginär zu betrachten. Als imaginärer Quantor kommt logisch, also bei geringer Komplexität, nur die Generationenfolge infrage, während holistisch, also bei hoher Komplexität, das wahlweise Zeit, Entstehung oder Entwicklung sein können. Während logisch als alleiniger imaginärer Operator die Negation fungiert, kann holistisch der zweite Hauptsatz der Thermodynamik diese Rolle übernehmen.  
Alternativ lässt sich sagen, dass das Sein sich entwickelt, oder stattdessen, dass Entwicklung ist (ein Sein hat). Die Beziehung zwischen Sein und Entwicklung erscheint zunächst als dualer Mythos. Modern gesehen kann damit die Wechselwirkung zwischen Materie und Feldern, also Masse und Energie verstanden werden (Einstein-Formel).  
Zwischen Logik und Holistik muss es im Prinzip einen Übergang in Art einer Dimension geben, welcher kontinuierlich sein kann. Bei höherer Komplexität bricht die Logik zusammen, was sich u.a. in Unschärfe zeigt. Folglich ist man angewiesen auf schrittweise Annäherung an Grenzwerte am Rand des Bereichs, also an etwas Unbekanntes, wie z.B. eine höhere (anfangs noch nicht definierte) Ordnung. Der einfachste Fall ist das Verlassen von linearen Systemen bei Einführung von quadratischen Termen. Wenn die Erde nicht mehr als flache Scheibe verstanden wird, müssen quadratische Terme hinzukommen, also zunächst einmal Kreise.
Rekursion als zyklische Annäherung muss sich jedoch nicht, einem häufigen Missverständnis folgend, in einem Kreis drehen, sondern kann sich (entsprechend den Planeten eines Sterns) auch als Spirale oder wandernde Ellipse an etwas Unbekanntes annähern. Verursachende Störungen können aber dann und nur dann möglich sein, falls es sich um ein nicht abgeschlossenes (zumindest in Teilen offenes) System handelt. Rekursion geht über Logik hinaus, welche somit ein nicht abgeschlossenes System ist, als dessen Außenbereich Holistik gesehen werden kann. Logik und Holistik lassen sich demnach dual verstehen. In alternativer Philosophie, jedoch nicht logisch begründbar, könnte Weisheit als Oberbegriff für Logik und Holistik zusammen verstanden werden.   

Regeln  
Ist das gesamte Leben nur ein Spiel? Dieser Satz scheint höchst philosophisch zu sein, denn jedes einzelne Wort in ihm kann in vielerlei Hinsicht hinterfragt werden und führt außerdem und innerdem noch zu weiteren Möglichkeiten, in Geheimnisse einzudringen, welche neugierige Lebensforscher in ähnlich vielerlei Hinsicht reizen mögen. Sollten wir vielleicht zuerst das Vokabular klären, dann nach den Regeln schauen und uns schlussendlich nach dem orientieren, was dahinter steckt oder vielleicht auch daraus folgt? Oder geht es nur um hier und jetzt?
Die Mehrzahl der Menschen kümmert sich wenig um das, was hinter den Regeln eines Spiels oder schlicht und einfach auch des Lebens steckt. Die Regeln scheinen vorgegeben zu sein, also sowieso nicht veränderbar, und somit dürfte es wie unnötiger Zeitvertreib ausschauen, sich darum zu kümmern. Die Regeln scheinen äußerst kompliziert zu sein und werden deshalb der Kaste der Priester und Professoren als Futter überlassen.
Doch die Annahme, dass es dabei ausschließlich um Köpfchen geht, hat sich zum Beispiel bei Raben noch nicht durchgesetzt. Diese halten sich arroganterweise für die intelligentesten aller Vögel, fühlen sich gleichermaßen den großen Kondoren und den kleinen Kolibris überlegen, und ganz besonders auch den Menschen, die überhaupt nicht fliegen können.
Die Regeln haben also etwas mit Intelligenz zu tun, aber nicht nur mit Köpfchen. Geht es vor allem um Schnelligkeit? Gewiss haben die Raben großes Tempo vorzuweisen. Doch kaum ein Mensch denkt oder fühlt mit, was jene des Nachts tun. Sie verkriechen sich, sind faul und vögeln eben, was sehr wesentlich sein dürfte. Doch sie sind auch Künstler, ja, Flugkünstler.
Geht es bei den Raben wie bei Buddha einfach um einen Mittleren Weg zwischen höchst beweglich oder faul etwa in der Mitte, und zwischen Künstler oder vögeln? Ähnlich suchen sie aber auch kommunikative Kompromisse zwischen näheren und ferneren Orten für ihren Lebensunterhalt, und materielle zwischen leckerer Nahrung und notfalls auch demjenigen, was die Menschen abfällig als Aas bezeichnen. Ob diese anderen Zweibeiner auch ein vergleichbar gutes Gedächtnis- und Antikörpersystem haben?
Anpassungsfähigkeit ist also von größter Wichtigkeit. Widerspricht das aber nicht fixierten Regeln in einem Spiel? Es bleibt eigentlich nur die Folgerung, dass es um die Entwicklung von Regeln für Regeln geht, also wieder einmal um ein Metasystem, ein System, das sich selber entwickelt.
Fixierte Regeln wie in einem Schachspiel werden folglich als wenig lebenstauglich angesehen. Computerspiele können dagegen laufend weiter entwickelt werden. Sie passen sich dem Markt an. Ist der Markt so etwas wie das Leben?
Programmierer wissen genau, dass zunächst eine Umgebung definiert werden muss und sodann die eigentlichen Regeln folgen. Sie treffen damit Sprachregelungen, ohne welche keine Regeln aufgestellt werden können. Philosophen haben aber oft bereits festgelegte Sprachregelungen, reden von Ontologie, vom Sein, von Zuständen, von Statik, und kümmern sich relativ wenig um ihre Umgebung. Erst in jüngster Zeit wird die Abhängigkeit von der Sprache weiter deutlich, und auch die andere Seite des Lebens, der Welt, von Gott und den Menschen wird wirklich bewusst, dass nämlich alles fließt, sich entwickelt, ein Prozess ist und damit Dynamik.
Entsprechende Sprachregelungen tauchen nun auch wie Phoenix aus der Asche für die Regeln selber auf und könnten aufschlussreich sein,- Instinkt, Tabu, Gesetz, Axiomatik. Alle werden für interessant erklärt, doch die eigentliche spannende Frage ist diejenige nach dem nächsten Schritt. Ist das Selbstorganisation, das Wesen von sofort auf den Plan gerufener Metaaxiomatik? Kommen wir damit wieder bei den angeblichen Anfängen der Natur an und gleichzeitig an ihrem Ende?   


Statuten   
Basisverträge verschiedener Art sollen Zustände festlegen wie zum Beispiel durch Satzungen, Bekenntnisse, Grundsatzprogramme, Abmachungen, Verfassungen und Konstitutionen. Die übergreifende Bezeichnung Statuten drückt deren statischen Charakter deutlich aus. Sie dienen vor allem der Stärkung einer Gemeinschaft oder Gesellschaft durch Identitätsbildung. Sowohl im privaten wie im politischen Bereich festigen sie hierarchische Strukturen durch diesen früher meist dominierenden statischen Anteil. Sie stellen vorwiegend umfangreiche in juristischer Manier verklausulierte Ausarbeitungen von eher konservativ gesonnenen Vertretern der betreffenden Zusammenschlüsse dar. Diesen räumen sie nicht selten stillschweigend Vorteile ein, die dem eher progressiven Teil derselben oft zunächst gar nicht bewusst sind. Sie wurden und werden häufig von der Mehrzahl der zur Verabschiedung darin für berechtigt erklärten Personen, sei es in Versammlungen irgendwelcher Art oder in allgemeineren zumindest nach außen hin demokratisch organisierten Wahlen, formal “ratifiziert”. Selbst die volle Bedeutung dieser Bezeichnung ist der Mehrzahl der Betroffenen meist gar nicht klar, nämlich m Allgemeinen eine Verabschiedung en bloc, also ohne eine Möglichkeit zu detaillierter Stellungnahme bei einzelnen Teilen. Dadurch werden derartige Konstitutionen fast in der Regel vor allem ein Machtinstrument, welches anschließend mehr oder weniger für Tabu erklärt wird und höchstens unter erschwerten Umständen geändert werden kann auf kompliziert kontrollierte prozessuale Art. Oft stellt diese Tatsache dann einen mehr oder weniger offenliegenden Anlass für tendenziell stärker gewalttätigen Umschwung dar.
Erst in neueren Zeiten gewinnt langsam stellenweise ein als progressiv empfundener dynamischer Anteil an Bedeutung, in welchem sich zunehmende Flexibilität und Fähigkeit zu Anpassung widerspiegelt. Eine in diesem Sinn als modern verstandene Entwicklung zeichnet sich quasi per definitionem aus durch einen steigenden Anteil von flexiblen, d.h. nicht von oben fixierten individuellen Entscheidungsmöglichkeiten. Der Prototyp solcher Formen ist wohl eine Meditation, welche darum auch von konservativen Kreisen im Allgemeinen höchstens in möglichst kalkuliertem Maße oder überhaupt gar nicht akzeptiert wird.
Konservative verschanzen sich gern hinter der zunächst den einfachen Geistern einleuchtenden Erklärung, dass “alles möglichst gut” geregelt sein muss, was eine klare Verachtung der Bedeutung von spontanen und oft der aktuellen Lage besser angepassten Entscheidungen einschließt.
Dass die etablierte Vorgehensweise mehr oder weniger insbesondere den eigenen Vorteil und Machterhalt der bestehenden und als traditionell erprobt gelobten Verhältnisse einschließt, wird gleichermaßen verdrängt und sogar negiert. Da ein Übergang von statischen zu dynamischen Grundlagen generell einen mit erheblichen kritischen Umbrüchen begleiteten Vorgang darstellt, ist dieser nicht immer einfach vermittelbar, insbesondere den einfacher strukturierten Bevölkerungsteilen, also etwa dem Landvolk und sozial schwachen Kreisen. Diese werden dadurch bedenklich leicht und oft gewiss ihrem eigenen eigentlichen Interesse zuwiderlaufend zu Partnern der konservativen Seite, indem sie statische und angeblich immer als positiv zu sehende Traditionen fördern. De facto kann das diesen sogar stärkere Nachteile bringen. In erster Linie dient dies tendenziell der sich hinter abstrakten Formulierungen verbergenden Spitze der Hierarchie, ganz egal, ob diese nun nach eigenem Bekunden vorwiegend den Linken oder den Rechten zuzuordnen ist.
Instinktiv, aber ohne dies in ihrer eigentlichen Begründung deutlich erkennen zu können, favorisieren erfahrungsgemäß jene für Populismus anfällige Kreise Entscheidungsmethoden, welche als Basisdemokratie deklariert unter Umgehung einer zu starken Fixierung an für sie als nachteilig empfundene Konstitutionen ein spontanes und als modern angesehenes Verfahren zu sein scheinen. Letzteres wird aber mit der lateinischen Bezeichnung Status Quo in ihnen unverständlicher Art diskreditiert, während das Festhalten an bestehenden und oft gar nicht mehr aktuellen Verhältnissen angepassten Zuständen als gute Tradition hochgelobt wird.
Daher erscheint es im Sinne einer offeneren und gleichzeitig auch stetiger ablaufenden Entwicklung dringend notwendig, sowohl ein Wissen wie auch ein gefühlsmäßiges Verständnis für den Unterschied von statisch fixierten Zuständen und dynamisch flexiblen Prozessen herzustellen. Als wesentlich wird dabei das in den Naturwissenschaften gewonnene Verständnis für die Wichtigkeit einer klaren Unterscheidung zwischen Nah- und Fernbereich angesehen. Im Nahbereich, gesellschaftlich dem privaten Bereich entsprechend, sind materielle Verhältnisse und vor allem abstoßende Kräfte wirksam. Im Fernbereich dagegen, gesellschaftlich dem öffentlichen bzw. politischen Bereich zugeordnet, stehen ideelle und kommunikative Einflüsse im Vordergrund, welche sich in einem mit Naturvorgängen vergleichbaren Sinn durch Schwingungen und Ausstrahlung übertragen. Basisdemokratie ist dem Nahbereich zuzuordnen, die Medien gehören zum Fernbereich.
Da Menschen aber vor allem in ihrer Kindheit, also eher im privaten Bereich geformt werden, spielt dies eine erhebliche Rolle. Das betrifft sowohl Familien wie auch Kindergärten und Schulen. Die selbständige Fähigkeit von Kindern zu eigener Anpassung an Zustände und auch zur Veränderung derselben für sich selbst oder vielleicht auch die eigene Gruppe sollte also sehr gefördert werden, insbesondere ein Verständnis für die jeweilige Bedeutung von Versammlungen und Medien.
Immer wieder wurde im Rahmen der von ARS-UNA vertretenen alternativ genannten Philosophie hingewiesen auf die Stellung aller Lebewesen auf dieser Erde und speziell des Homo sapiens, des angeblich ach so weisen Menschen in der Natur, irgendwo zwischen dem in den Größenverhältnissen völlig verschiedenen Mikro- und dem Makrokosmos. In beiden so weit auseinander liegend erscheinenden Bereichen hat die Natur überall einen gleichen statischen Anteil in Form von grundlegenden Naturgesetzen, welche sich etwa in meist gar nicht in ihrer Bedeutung bewussten Naturkonstanten ausdrücken wie zum Beispiel der Lichtgeschwindigkeit oder Größe und Gewicht von Atomen. Dem überlagert sind dynamische Vorgänge, welche im Wesentlichen als Folgen  verschiedener Kräfte verstanden werden können. Dieses Nebeneinander drückt sich praktisch bemerkbar und von Einstein groß herausgestellt in der Koexistenz von Materie und Energie aus, aber im Grunde genauso im durchaus vergleichbarem Nebeneinander von Körper und Geist in den mehr oder weniger wohlbekannten Geisteswissenschaften. Die Kräfte berücksichtigen generell die Naturkonstanten, leben also quasi in Frieden mit diesen. Ebenso können wir dasselbe für das Verhältnis eines jeden menschlichen Geistes zu seinem Körper sagen und auch für Tiere je nach deren evolutionärem Entwicklungsstand und sogar wohl für Pflanzen, wo wir noch längst nicht alles verstehen.
In diesem Sinn soll durch die Suchadresse ARS-UNA.net die starke Vernetzung aller Bereiche ausgedrückt werden, vor allem auch des jeweiligen Nah- und Fernbereichs. So wird jetzt hier vor allem für stärkeres Hervortreten von flexiblen Bewegungen instelle von fixierten Organisationen geworben. Das entspricht dem Verhalten, das in der Natur beobachtet werden kann und u.a. zu Zell- und Organbildungen von unter vielen Umständen vergleichbarer Größe führt und gewiss kein Vorbild zur Bildung sehr großer Staaten ist, aber verständlich macht, warum diese meinen, großer Mauern zu bedürfen, materieller im Nahbereich wie Orban und Trump oder auch informativer im Fernbereich wie im chinesischen Internet.
Die stärker flexiblen Tiere haben dadurch offensichtlich im Vergleich zu den eher statischen Pflanzen die Nase vorn, obwohl letztere nach neuen Erkenntnissen ebenfalls gute Geruchsorgane und effektive Ausbreitungs- und sogar Informationsmöglichkeiten haben. Eine Leitlinie mag sein, mit ALLEN und ALLEM nicht lebensbedrohlich Gefährlichen aus Nah und Fern gut umzugehen, mit Menschen, Tieren und Pflanzen.
Lockere Gemeinschaften sollten dadurch eine steigende Bedeutung gegenüber stärker fixierten Gesellschaftsformen bekommen. Wesentlich ist wie meist in der Natur eine besser unter laufendem Ausgleich sich anpassende Entwicklung von jeweils favorisierten Eigenschaften oder Absichten. Nicht aber sollen bestehende Zustände unter Verdammung flexibler Prozesse peinlich genau erhalten bleiben, wofür Statuten aller Art oft missbraucht werden. Flexibilität dient eher der Verhinderung von Gefahr. Wenn sie laufend ermöglicht wird, macht es das Ausmaß von im Prinzip eher gefährlichen, aber bisweilen eben doch naturgewollten Singularitäten besser beherrschbar, wozu alles natürliche, somit Transformation einschließende Entstehen und Vergehen, also auch Geburt und Tod gehören. Festhalten an statischen Zuständen bedeutet Hemmung von  Flexibilität. Die damit unweigerlich verbundene Stagnation fördert das Ausmaß von als Katastrophen wahrgenommenen großen Singularitäten, seien es scheinbar natürlich entstehende wie Dürre, Überschwemmung, Erdbeben und Meteoreinschläge, oder seien es entweder aus dem Streit um materielle Ressourcen herrührende oder mit mangelhafter Kommunikation verbundene ideologisch ausgelöste Kriege.   
Besseres Verständnis dieser Zusammenhänge, sowohl rational als auch gefühlsmäßig und im täglichen Leben, kann durchaus segensreiche Auswirkungen für alle wohlwollende Beteiligte haben.   

© Copyright und alle Rechte  Hans J. Unsoeld, Berlin 2018  
Updated Sept. 12, 2018