ARS UNA

Connecting Arts, Religion, Sciences - Alternative Philosophy of Development

  A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

Kreative Philosophie
Entwicklung und Definitionsgebiete

Entwicklungen in der Natur lassen sich unter Umständen besser erfassen, indem man Eigenschaften von aufeinander folgenden Generationen in Beziehung setzt statt Eigenschaften in den aktuellen Kategorien in Raum und Zeit. 


Durch die Verwendung von Fraktalen anstelle von Funktionen wird jeder neuen Generation ein neuer Koeffizient und damit gleichsam eine neue Eigenschaft zugeordnet, die den Charakter einer neuen Dimension hat.
In bisherigen Geisteswissenschaften werden Dimensionen meist als Interessengebiete verstanden und diesen Kategorien für eine Analyse zugeordnet. Eine auf Fraktalen beruhende Mathematik kann zunächst ohne Bezugnahme auf Raum und Zeit konzipiert werden. Diese lässt sich möglicherweise in Bereichen anwenden, in denen Raum und Zeit (noch) nicht definiert sind. Zählung von Generationen steht anstelle von Zeit und Raum ergibt sich durch Entwicklung.
Wissenschaftliche Experimente werden etwa in der klassischen Physik in Raum und Zeit beschrieben. Wenn es aber Gebiete gibt, in denen Raum und Zeit nicht definiert sind und die Wissenschaft dort ohne Experimente auskommen muss, die auf direkten Messungen beruhen, würde das bedeuten, dass man andere Disziplinen für Fragen über diese Definitionsgrenzen hinaus in Betracht ziehen muss. Optimierung könnte Verifizierung ersetzen mithilfe von Rekursion durch iterative Approximation. Da Lebensprozesse mit allgemeinen Naturgesetzen voll kompatibel sein müssen, könnten Richtlinien für Optimierung des Lebens möglicherweise gefunden werden, indem andere für das Leben relevante Disziplinen einbezogen und verglichen werden. Dadurch verwischt sich möglicherweise die Unterscheidung von Dimensionen und Kategorien, aber damit könnte sich auch die Möglichkeit ergeben, von ausschließlicher Analyse zu Formen von Synthese überzugehen. Das erscheint wesentlich für den Übergang von rein rationaler analytischer Philosophie zu  einem Konzept von schaffender, also kreativer Philosophie. Wichtig bei der Auswahl solcher Disziplinen und von typischen Eigenschaften im Vergleich verschiedener Generationen scheint der erweiternde Schritt von Natur auf Kultur und damit eine ineinander übergehende Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften zu sein. Dabei sollte sich die Zahl der benötigten Dimensionen nicht verändern, also weiterhin vier betragen mit einer imaginären und drei reellen Komponenten.
Religion, eher nicht institutionalisierte Religiosität, und Kunst könnten in traditionellen Kulturen als gleichwertige Disziplinen im Leben betrachtet werden. Heutzutage akzeptiert man diese zwar in weiten Teilen der Geisteswissenschaften, aber in der naturwissenschaftlichen Forschung nur ungern, weil sie in letzteren Experimente unter kontrollierten Bedingungen schwerlich erlauben.
Wenn wir von Religiosität statt von Religion sprechen, wird das Prinzip der Einfachheit hervor gehoben, wie es eher in archaisch traditioneller Moral zum Ausdruck kommt. Entsprechend wird Kunst von Harmonie geleitet, wie sie eher in antiker Schönheit oder Symmetrie zu finden ist. Geisteswissenschaften als dritte Disziplin fragen nach Kausalität, Naturwissenschaften  als vierte Disziplin schätzen das Prinzip der Konsistenz als für ernsthafte Kontrollen unabdingbar. Generell scheinen diese Kategorien nicht streng fassbar zu sein, sondern aufeinander aufzubauen und vorhergehende Konzepte zumindest teilweise einzuschließen.

Grenzen
Jede Art von Prozessen, die mit klassischer Mathematik beschrieben werden, impliziert die Existenz von Grenzen, innerhalb derer sie definiert sind. Erweiterungen von diesen sind im biologischen Leben durch Kontaktinhibition begrenzt (nicht definierte oder nicht erlaubte Gebiete). In der Elementarteilchen-Physik ist Ausdehnung durch das axiomatische Pauli-Prinzip beschränkt, welches Massen nicht erlaubt, sich gegenseitig zu durchdringen. Diese Art von durch Grenzen beschränkter Expansion wird zur Unterscheidung allgemeiner, als frei verstandener Entwicklung wohl besser Wachstum genannt. Von fraktaler Mathematik beschriebene Expansion respektiert jedoch keine Grenzen und kann somit als echte unbegrenzte Entwicklung betrachtet werden. Wachstum bedeutet also räumlich eingeschränkte Expansion, während Entwicklung ein Ergebnis ist von aufeinander folgenden Generationen mit möglicherweise dazwischen liegenden ungeordneten Übergängen (Singularitäten). Mit Entwicklung ist also das Entstehen und eventuelle Verschwinden von Merkmalen gemeint. Evolution bedeutet dagegen das Auftreten permanenter neuer Eigenschaften.
Daher werden die Begriffe Wachstum und Entwicklung als grundsätzlich unterschiedlich oder einander gegenüberstehend verstanden. Sie können als Dualismus oder möglicherweise sogar als generelle Grundlage für die Beschreibung von Dualismen in der Natur angesehen werden. Der Teilchen-Welle-Dualismus, den de Broglie 1924 gefunden hat, bezieht sich auf Teilchen begrenzten Raumes und schließt gleichzeitig die Vorstellung ein, dass eine Welle in ihrer Ausdehnung nicht begrenzt ist.
Wirtschaftswachstum ist an politische Grenzen gebunden, wie durch den Club von Rom 1972 bekannt wurde. Wachstum ist ein kurzfristiges Ergebnis der Respektierung von Grenzen, während verschiedene historische Invasionen langfristige Entwicklungen trotz oder durch respektloses Brechen von Grenzen oder Tabus illustrieren. So gesehen bedeuten Grenzen und Tabus weitgehend dasselbe. Sesshaftes Leben braucht und fordert die Achtung der Grenzen und beschränkt die Freiheit, während nomadisches Leben dazu neigt, Freiheit höher einzustufen als Grenzen oder Tabus. Mehr Freiheit ermöglicht eher eine echte Entwicklung wie oben definiert.
Beide Formen der Erweiterung existieren und werden möglicherweise benötigt. Durch die jeweilige einseitige Verwendung entweder von Raum und Zeit oder aber aufeinander folgenden Generationen als einseitiges Referenzschema sind Konflikte offensichtlich programmiert und schwer zu vermeiden. Zu respektieren und nicht zu respektieren schließen sich logisch zwar aus. Dies könnte jedoch bei abwägender Betrachtung sich verwischender Kategorien anders sein. Expansionen werden dann zumindest weniger abhängig von strengen Grenzen und Tabus, folgen mehr den Richtlinien der Optimierung, zum Beispiel auf Grund von Konsistenz, und könnten sich über die als erlaubt definierten Räume und Zeiten hinaus erstrecken.

Fuzzy Logik
Dies bedeutet Modifikationen vorher existierender strenger statischer Regeln der Logik, Moral und, wie der Existenzialismus gezeigt hat, auch der Authentizität. Die klassische Logik entscheidet streng zwischen wahr und falsch, die klassische Moral entscheidet sich zwischen gut und böse und die klassische Authentizität zwischen echt oder falsch. Diese drei Paare können als maximale oder extreme Werte der jeweiligen Grunddimensionen des Lebens betrachtet werden. Moderne Sicht bedeutet, dass variable Zwischen- und damit dynamische Werte akzeptiert werden können. Die Dinge mögen mehr oder weniger wahr, mehr oder weniger gut, mehr oder weniger authentisch sein. Ein solches Abwägen entspricht im Prinzip den räumlichen Messungen von Wissenschaft, Technik und klassischer Mathematik, ist jedoch nicht identisch damit.
Offensichtlich kann die tatsächliche Welt nicht nur durch schwarz und weiß oder links und rechts beschrieben werden. Es gibt immer ein kontinuierliches Spektrum zwischen den Extremen, also auch zwischen wahr und falsch, was zu unscharfer (fuzzy) Logik führt, und ebenso zwischen gut und schlecht und zwischen echt und falsch. Fortschritt muss dann zwischen diesen Extremen durch Optimierung gefunden werden. Extreme Positionen, die statische Lösungen charakterisieren, gelten als fundamental bzw. sogar fundamentalistisch. Die Optimierung wird zu einer typischen Aufgabe der konsequenten dynamischen Sichtweise und weist deutlich auf Kunst hin. Jede Art von Kunst in der Natur und in der Technik, im Leben und als Arbeit eines Künstlers muss optimiert werden. Dadurch wird auch die Abneigung von Fundamentalisten gegen Kunst verständlich, die bis zu Hass und Zerstörung von Kunstwerken führen kann.
Extreme Lösungen, eine rein statische Sichtweise oder Arten des Fundamentalismus erlauben keine Optimierung. Total wahr bedeutet ausschließliche Forderung von Recht und Ordnung, während mit völlig falsch die Vernachlässigung von Gesetzen und Anarchie gemeint sind. Ausschließlich gut wäre es, völlig auf Wettbewerb zu verzichten und sich nur auf soziale Aspekte zu verlegen, während extremer Darwinismus, also das alleinige Recht des Stärkeren, jede Vorstellung vom Guten im moralischen Sinne ausschließt. Totale Authentizität würde nur Egoismus und Selbstverwirklichung beinhalten, während Fake das Gegenteil ist mit kompletter Verkleidung und Mangel an eigener Essenz.
Jede Art von Expansion, Wachstum sowie Entwicklung und sogar Evolution folgt Richtungen und ist somit vektoriell. In einem räumlichen System ist die Zeit jedoch eine unidirektionale Richtlinie (der Pfeil der Zeit) und könnte daher durch natürliche Zahlen gemessen werden, die auf das Zählen von Schritten hinweisen. In einem fraktalen System wird dieser Aspekt von der vierten "Dimension" übernommen, die der Grad der Ordnung oder des Chaos ist und nicht unidirektional ist, sondern Optimierung benötigt. Dies ist ein wichtiges Thema. Weder vollständige Ordnung noch totales Chaos, sondern ein Zwischenweg zwischen ihnen ist die Leitlinie. Man denkt vielleicht an den Mittleren Weg im Buddhismus. Hier modern gesehen führt es jedoch zu dem Verständnis, dass das Leben weder im Kloster noch auf dem Schlachtfeld optimiert werden kann. Kunst findet ohne weiteres erkennbar ihren besten Ausdruck entlang der Grenze zwischen Ordnung und Chaos. Unsere Existenz muss offensichtlich realisiert werden zwischen dem Streben nach Authentizität und der Annahme von Rollenspielen, wie sie im sozialen Leben benötigt werden. Als warnenden Hinweis sollte man anmerken, dass in fraktalen Theorien manchmal der Begriff Dimension auch als Beschreibung des Grades der Ordnung missverstanden bzw. wenig sinnvoll bezeichnet wird.
Warum haben wir uns aber für Religiosität, Kunst und Wissenschaft als Basis für die Optimierung entschieden? Religiosität bezieht sich auf Gut und Böse, Kunst folgt den Regeln der Authentizität, die mit Schönheit und Harmonie in Verbindung gebracht werden können, und Wissenschaften betrachten die Wahrheit als am wichtigsten, die in der klassischen Mathematik zu strikter Logik führt. In fraktaler Sicht ist Konsistenz stattdessen eine Qualität, die optimiert werden muss, keine absolute.
Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos wird zur  sich bewährenden allgemeinen Richtlinie. Der bevorzugte Weg kann zwischen den Extremen der Künste (Authentizität und Nachahmung), der Religion (Gut und Böse) und der Wissenschaften (wahr und falsch) optimiert werden. Diese Ansicht schreibt einem mittleren Weg zwischen den Extremen totaler Ordnung oder totalem Chaos eine moderne Bedeutung zu und gibt dem Wort „modern“ damit eine über die kürzliche Zeit hinausgehende Bedeutung. Während der traditionelle Buddhismus den Achtfachen Pfad als acht wichtige Aspekte zum Erlangen von Einsicht und Erfüllung versteht, bedeutet die hier aufgezeigte Sicht einen Abgleich zwischen acht Extremen, vier auf jeder Seite von einem solchen Weg.

Toleranz statt Abgrenzung
Anfangs wurde insbesondere unter der englischen Bezeichnung „synthetical philosophy“nur als erweiterndes Gegenstück zu meist recht akademischer analytischer Philosophie gesehen. Inzwischen kann kreative Philosophie eine stärker der Praxis zugewandte moderne Form der vermeintlich fast toten und wirkungslosen Art antiker Sichtweise wie etwa bei Homer sein und sich zu einer tauglichen Anleitung zur Bewältigung von vielfältigen Aufgaben im privaten wie im öffentlichen Leben entwickeln. Unter Bezeichnungen wie praktische, experimentelle oder synthetisierende Philosophie kursieren schon einige Zeit derartige Ansätze. Der entscheidende Punkt ycheint die Einbeziehung der Frage von Grenzen zu sein, die in der Natur und wohl folglich auch in sinnvoller Kultur generell nicht völlig dicht sein können. Dieses gilt also in gleicher Art in biologischen Systemen wie etwa Zellen und auch zwischen menschlichen Konstrukten wie Partnerschaften oder politischen Einheiten, also etwa Ländern.
Grenzen können deswegen nicht undurchlässig sein, weil dann keine echte, über Wachstum hinausgehende Entwicklung möglich wäre, welche Anstöße und die Erkennung von Gefahren von außen braucht. Konfliktlösung ist wesentlich und sollte genügend schnell erfolgen können. Diese geschieht erfahrungsmäßig am besten, wenn sie nach möglichst einfachen Grundsätzen erfolgt, welche durchaus von besagter kreativer Philosophie abgeleitet werden können. Wenn natürliche wie auch kulturelle Systeme im weitesten Sinn nicht hermetisch abgeschlossen werden können, ist eine simple und sofort verständliche Folge, dass Fremdeinfluss akzeptiert werden muss, was Toleranz bedeutet. So wird zum ersten und vielleicht zunächst wichtigsten Grundsatz, dass Toleranz statt Abgrenzung gelten muss. Diese einfache Formel kann offensichtlich erhebliche Wirkung entfalten und wird deshalb zunächst gleichsam als Leitsatz an die Spitze gestellt.
Forschung ist ein Kind der Übergangszeit vom Mittelalter in die Neuzeit. Es war die Epoche der Festungen und Belagerungen mit grimmigen Kämpfen, die wir heute eher distanziert und als nicht mehr so wichtige historische Erscheinung betrachten.
Festungen wurden entweder als Schutzzonen angesehen oder als Orte  von Tyrannei, je nachdem, auf welcher Seite der Mauern und Schutzwälle sich die Menschen befanden. Von innen wurden Kundschafter ausgesandt und Boten, welche für Versorgung und Kontakt zu anderen Festungen eingesetzt wurden. Von außen drangen Spione und in Einzelfällen sogar trojanische dicke Pferde in sie ein, deren Absichten uns heute auch im Internet wohlbekannt sind. Generell war eine sinnvoll kontrollierte teilweise Durchlässigkeit der Grenzen wichtig.

Jenseits von Rationalität
In der gleichen Zeit entwickelten sich Wissenschaften, die meist noch ohne entsprechendes Bewusstsein ganz ähnliche Methoden mit sich brachten. Als deren Aufgabe wurde zunehmend gesehen, dass sie Grenzen überwinden und Neuland erkunden, aber auch in das Innere von diesem oder jenem eindringen sollten. Die Vorstellung von Institutionen nahm im Inneren ähnlich wie diejenige von biologischen Organen Gestalt an. Dominanz und weitere Machtkämpfe ergaben sich als wichtige neue Erscheinung.
Derart sich entwickelnde Forschung erwies sich nicht überall als sehr zielgerichtet. Fast schleichend wurde sie aber mehr und mehr institutionalisiert und verstärkte so ebenfalls soziale Strukturen. Zunächst in kleinen und dann in weiteren Bereichen bildeten sich deutlich immer mächtigere Institutionen heraus. Das betraf sowohl Familien als auch Politik, welche beide zunehmend tendierten, eher symbolisch zu verstehende Mauern zu errichten und sich abzugrenzen. Quasi als Gegenwehr traten nun Detektive sogar als neue Berufsgruppe auf, um sogar in Familien einzudringen, und in der großen Politik gewannen Spione und Whistleblower Prominenz, Mata Hari zum Beispiel schon lange vor Edward Snowden.
Das hinter der populären Vorstellung von Mauern steckende allgemeine Phänomen der Grenzen fordert inzwischen gleichermaßen Wissenschaften wie Philosophie heraus. Die verschiedenen Ansätze haben sich in der jüngeren Neuzeit rasant weiterentwickelt und sind heute an einem Punkt, wo sie die Entwicklung und auch die Methoden selbst “aufs Korn nehmen”, also zum Ziel der Forschung machen. Symbolik ist ein Teil davon, welcher uns eine abstrahierende allgemeinere Sicht darauf ermöglichen könnte. Es zeigte sich bereits, dass völlig unerwartete neue Gesichtspunkte oder Sichtweisen ins Spiel kommen. Einerseits ist damit der Übergang gemeint von früheren mechanischen Vorstellungen, wozu etwa auch Mauern gehören, zu als modern verstandenen neuen Methoden, zum Beispiel der Quantenmechanik. Andererseits werden aber auch die Wissenschaften selbst in ihrer bisherigen Form durchaus grundlegend infrage gestellt, indem die Einschränkung auf Rationalität als fragwürdig erkannt und tendenziell durch weitere Bereiche ergänzt wird, ohne aber die Rationalität selber dabei einschränken zu wollen. Sogar die Fragwürdigkeit von Institutionen könnte dabei eine Rolle spielen, insbesondere auch hinsichtlich der Beteiligung der Philosophie, welche jedoch an dieser Stelle noch nicht erörtert werden soll.
Neue Trends in den Wissenschaften können auf umgekehrte Art Entsprechung finden im sozialen Bereich sowohl bei Familien wie auch in der großen Politik. Um aber klar umreißen zu können, um was es dabei heutzutage und wohl noch mehr in der Zukunft geht, muss zunächst gelernt werden, das Wesen sowohl etwa der neuen quantenmechanischen und auch von nicht-rationalen Vorstellungen in einfacher, also allgemein verständlicher Form darzustellen. Dabei kommt es durchaus auf sprachliche Fassung an. Zum Beispiel haben oft nicht klar unterschiedene Irrationalität und Non-Rationalität verschiedene hier nicht zu erörternde Bedeutungen. Die Übergangsbereiche dazwischen werden vielleicht später einmal ein neues interessantes Kapitel bilden.
Im rein wissenschaftlichen Bereich wurde zuerst vor allem in atomaren Bereich erkannt, dass die quantenmechanische Vorstellung von physikalischen Grenzen besagt, dass Membran-artige Grenzen in der Form einer einfachen Linie in der Natur überhaupt nicht existieren. Natürliche Grenzen haben in gewisser Weise die Eigenschaften von Gittern, Gasen, Wolken oder Sand. Bei genügendem Energieaufwand sind sie durchlässig, überschreitbar oder auch durch den sogar wissenschaftlich so bezeichneten Tunneleffekt überwindbar oder durchdringbar.
Um aber dem jeweiligen individuellen oder gesellschaftlichen Anteil nicht einseitig nur rational Vorteile zu verschaffen, können drei weitere wichtige Bereiche, die sich zunächst zur Humanbiologie zählen lassen, dazu außer der Rationalität beitragen. Deren Bedeutung wurde lange Zeit heruntergespielt, da sie klar kapitalistischen Interessen und auch religiösen Gemeinschaften im Wege sind. Das sind einerseits der Machtanteil, der oft eng mit als animalisch verpönter Sexualität verknüpft ist, aber ferner auch diejenigen beiden Domainen, die einerseits mit Aktivitäten und Mobilität und andererseits mit Fitness und Gefühlen zu tun haben.

Kann kreative Philosophie weiterführen?
Das Gefühl oder Gedanken, dass dem Leben in seiner jetzigen hiesigen Form etwas Entscheidendes fehlen könnte, scheinen weit verbreitet zu sein.. Doch was? Es fällt uns schwer, das zu benennen. Ist es nur ein unbedeutender Teil, der vielleicht zu Recht nicht sehr beachtet wird, oder doch etwas Wichtiges, vielleicht sogar Entscheidendes?
Derartige Sinnsuche ist gewiss nicht neu und hat in allzu vielen Fällen und Bereichen nur zu Frustration oder Enttäuschung geführt. Derartige oft nicht sehr ernst genommene oder egozntrische Sucher beschäftigen sich nicht selten zunächst mit Religionen der jeweiligen lokalen Art, der nächste Schritt geht häufig zur Kunst, ind manchmal versuchen sich geistig unabhängig gewordene Humanisten und schließlich sogar auch Naturwissenschaftler damit. Schlussendlich siegt meist das Spezialistentum. Jede/r macht das, was am besten beherrscht wird und Geld bringt. Man(n) versucht sich so gut wie möglich einander zu ergänzen, was Teamarbeit heilig macht. Frauen bleiben aber häufig außen vor.
Philosophie könnte nun zunehmend versuchen, diesem Dilemma beizukommen. Mit deutlicher Abgrenzung gegen klassische Hochschul-Philosophie riecht es nicht mehr zu sehr nach rein geistiger Gymnastik im stillen Kämmerlein oder nach steriler Laborluft, sondern fordert zu Anwendung im Leben auf.
Warum wurde in der Philosophie bislang der Kopf so einseitig vor den anderen Körperteilen bevorzugt? Die Menschen bildeten sich wohl ein, sich durch diesen aufrecht getragenen Körperteil mit leicht erhöhtem Volumen besonders von den Tieren zu unterscheiden, die ihnen aber in vielen anderen Fähigkeiten weit überlegen waren und sind.

Ganzheitlich ist kein esoterisches Schimpfwort
Der Mensch kann guten Gewissens als ein ziemlich kompliziertes, besser aber als komplexes Wesen akzeptiert werden. Analytische Philosophie hat einzelne Anteile möglichst gut zu zerlegen versucht, damit aber verständlicher Weise keinen besseren Menschen geschaffen. Die Worte “gut” und “besser” sind unterdessen wegen schlechter Möglichkeiten zur Definition in Verruf geraten, auch wenn Gurus und der Papst sie weiterhin gern benutzen.
Neue Tendenzen in derartiger Philosophie versuchen, hier entscheidende Erweiterungen einzubringen, ohne aber bisherige Verdienste der bisweilen zu Geistesakrobatik ausartenden Analytik infrage stellen zu wollen. Eine offenere Einstellung zum als animalisch verpönten sexuellen Anteil scheint erforderlich zu sein nicht nur in abstrakter Philosophie, sondern im gesamten Leben, welches aber eine als natürlich zu betrachtende Philosophie erfassen sollte. Leben und Philosophie könnten nicht nur enger aneinander gekoppelt, sondern sogar gleichsam miteinander verwoben sein.
Dem sich scheinbar rückwärts gewandt zunehmend animalisch als Rabe stilisierenden Autor ist dieses besonders bei mehrjährigem Single-Leben in Asien deutlich geworden. Mehr und mehr schlichen sich in seine “Lebensphilosophie” außer offenerer Wahrnehmung und weniger tabuisierten Gedanken auch spontane Gefühle und tägliche Fitness ein, neue Erfahrungen mit der Umwelt und auf bisweilen abenteuerlichen Reisen, und mit der dortigen Sexualität und ungewohnter Machtstruktur.
Seit der Zeit der hoch gepriesenen klassischen griechischen Philosophie hat sich, weiter nördlich hinter wohl geheizten Wänden nicht so sehr spürbar, bei den Griechen längst einiges entscheidend geändert, vielleicht auch gerade in dieser Hinsicht und ganz praktisch. Sie sorgen zum Beispiel auf der abgelegenen und nicht sehr großen Insel Lesbos trotz schwierigster Umstände vorbildlich für tausende Flüchtlinge, von denen in manchen anderen Gebieten nicht einmal einige wenige erwünscht sind.
Kann Philosophie in solch einer Situation weiter helfen? Das lässt sich offensichtlich nicht über den Kopf erreichen. Sind Bewohner solcher manchmal herablassend als rückständig gesehener Gebiete noch “auf dem Niveau von Tieren”? Oder haben etwa die sogenannten hochzivilisierten Menschen weiter nördlich inzwischen ein so kannibalisches Verhältnis zu Tieren, dass sie sich vor allem nur noch für billiges Fleisch interessieren? Stimmt etwas mit ihrer bisherigen Philosophie nicht, die wenig dem unmittelbaren Leben zugewandt zu sein scheint?

Tabuisiert Kultur Natur?
Kultur ist ein Begriff, der aus der Landwirtschaft stammt und eigentlich eng mit der Natur verbunden sein müsste. Doch das ging verloren, als jene Kultur einseitig anfing, mit der Macht zu paktieren und deshalb die Sexualität zu tabuisieren, damit die Arbeitsleistung der Untergebenen maximiert wird. Solche Fehlentwicklungen herauszufinden und zu reduzieren kann gewiss nicht eine reine Kopfarbeit sein und also auch nicht von analytischer Philosophie gelöst werden. An allererster Stelle dürfte stehen, gegen überholte und schädliche Tabuisierung vorzugehen, welche auch eine Basis der sträflich großen Ungleichverteilung von Einkommen sein mag.
Doch fast (!) alle Politiker, welche sich genauso von erweiterter moderner Philosophie leiten lassen könnten, tragen das Verbot, Tabus zu tangieren, in Form eines Penissymbols, Krawatte oder Schlips genannt, als einengendes Kleidungsstück um den Hals. Auf diese Art wird die Verbindung des rationalen Kopfs zu anderen Qualitäten und Freuden des Körpers, etwa gar auch sexuellen, vielleicht nicht nur symbolisch eingeschnürt und vom öffentlichen und vor allem vom politischen Leben abgeklemmt. Auch an den staatlich genehmigten Hochschulen wird nur Dünger für analytische Philosophie genehmigt, nicht aber für offensichtlich als suspekt angesehene derartige nicht im voraus definierbare und eingrenzbare kreative Philosophie, welche sich auch nur ungern einer Beurteilung nach rein rationalen Gesichtspunkten unterwirft, wie häufig etwa bei „peer review“ verlangt wird. .
Im nicht-rationalen Bereich derartiger Philosophie erfolgreich sind bereits digitaler Design, aber auch analoges Morphing und in Zukunft vermutlich stärker derartige Trennungen verwischende quantendynamische Ansätze. Im Moment mögen diese als rationales Bildungsproblem erscheinen und ausgegrenzt werden, aber ihrem Wesen nach sind sie zwar von Grenzen bestimmt, jedoch nicht an Grenzen gebunden. Wie kritisch dabei Sexualität und Macht sein können, wird wohl durch das Beharren an der erwähnten Krawattenmode deutlich, die durchaus als paternalistisch und diskriminierend verstanden werden könnte.
Sollten wir zunächst fragen, wie es mit kreativer freier Meinungsäußerung steht? Alles perfekt in Deutschland? Lieber etwa zuerst im fernen Amerika beim nicht gerade transparenten Rekombnations-Algorithmus der “künstlichen” Intelligenz von Twitter ansetzen, der Meinungen diskret verschwinden lässt? Wir müssen diese Fragen selbst angehen, wozu kreative Philosophie durchaus Ansätze aufzeigen kann.

Konsistenz und Kompatibilität
Zurückkommend auf die anfängliche Unterscheidung zwischen funktionaler und fraktaler Auffassung sind Kriterien nötig, welche jeweils die analytisch rationalen Klassifizierungen nach gut/böse, wahr/falsch und authentisch/fake ersetzen können und damit eine Grundlage für die praktische Anwendung derartiger Philosophie geben. Das hängt sehr vom Sprachgebrauch ab und könnte nur zum Beispiel im funktionalen Bereich, tendenziell als kontinuierlich verstanden,  durch das Ausmaß angebende entsprechende Ausdrücke wie gutmütig, „fuzzy“ und angepasst geschehen. Wissenschaftlich ist zudem der jeweilige Grad von Konsistenz wichtig. Im fraktalen Bereich, also dort, wo Übergänge zwischen Generationen oder andere große Sprünge etwa durch Katastrophen und Kriege berücksichtigt werden müssen, bietet sich statt Konsistenz der Grad von Kompatibilität als wichtiger Gesichtspunkt an. Das gilt wieder sowohl für private wie auch für öffentliche Fragen. Bei privaten Partnerschaften wird Kompatibilität heute als entscheidender Faktor gesehen und kann in Beratung und Psychologie sehr wichtig sein. Ähnliches gilt für politische Problemlösung und Annäherung von sowohl Institutionen innerhalb eines Landes als auch von durch  verschiedene Länder vertretenen Positionen sehr maßgeblich sein.
Konsistenz ist also in erster Linie ein rational fassbarer Begriff, während Kompatibilität diesem bei ganzheitlicher Sicht entspricht und somit mehr auf praktische Situationen im Leben zugeschnitten ist. Mehr und mehr könnte man so auch praktisch angewendete ganzheitliche und vor allem beratende Psychologie als Gegenstück zu analytischer und vor allem diagnostizierender Psychologie sehen.

© Hans J. Unsoeld, Berlin 2020
Mar 19, 2020