ARS UNA

Connecting Arts, Religion and Sciences - Philosophy of Development

A modern Middle Way in Institutions and  Private Life  (in English and German)

Krankheit oder sinnvolle Abweichung
von einem modernen Mittleren Weg

Ob jemand auf demjenigen Weg spaziert, den seine Mitmenschen sich als gut angepasst, vielleicht aber besser als einen adäquaten Mittleren Weg vorstellen, lässt sich im Allgemeinen nur schwer beurteilen. Es fehlen die zahllosen Detailinformationen, die einzelnen notwendigen Kurskorrekturen auf besagtem Weg zugrunde liegen.  

Was manche Leute in scheinbar unverständlicher Art machen und was vielleicht auch einem Leser dieser Zeilen so vorkommen mag, könnte gerade in unverständlichen Fällen wie das sich laufend wiederholende Verhalten eines Wiederkäuers erscheinen.
Der besagte moderne Mittlere Weg lässt sich aber nur finden, wenn man laufend kleine Abweichungen nach jeweils gegenüberliegenden Seiten macht und aus ihnen zu lernen versucht. Der englische Ausdruck error and trial hat sich auch bei uns dafür festgesetzt. Wichtig ist in modernem Verständnis dabei, dass es sich nicht nur um eindimensionale Abweichungen handelt, also zum Beispiel zwischen links und rechts oder zwischen gut und schlecht, sondern nach eigener nicht ganz unbegründeter Vermutung weitgehend um jeweils ein vierdimensionales System, ganz egal, ob es sich um Natur oder Kultur oder vor allem unser eigenes Leben handelt. Es handelt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit also nicht nur eine einseitige Tätigkeit vor allem des Kopfes, sondern hat ebenso mit anderen Körperteilen bzw. den Eigenschaften zu tun, welche andere Menschen oder auch wir selbst ihnen zuordnen können, also mit den Gefühlen im Oberleib, mit sexueller Power im Unterleib und mit den Aktivitäten der  Extremitäten.
Wenn diese Abweichungen zu groß werden, kommt irgendwann bei der Beurteilung ein Punkt, dass diese als Krankheit bezeichnet werden. Wann genau das aber der Fall ist, hängt sehr von der beurteilenden Person und deren eigener Einordnung ab. Es geht das Gerücht, dass die Mediziner die Fachleute dafür seien. Sie tun das angeblich gern, nicht zuletzt vielleicht auch deswegen, weil das ihnen Respekt, Status und „natürlich“ auch Geld verschafft. Die Beziehung zwischen Arzt und Patient ist dabei aber vielleicht nicht so einseitig und eindeutig, wie es beide sich auf jeweils sehr unterschiedliche Art und „natürlich“ auch in sehr verschiedenem Maß vorstellen.
Dieses Thema kann nun so angepackt werden, dass entweder auf den Arzt oder den Patienten eingegangen wird, oder dass die Wechselwirkung zwischen ihnen im Brennpunkt steht.
Wenn wir vom Arzt und dem Patienten reden, beinhaltet das oft bereits eine hierarchische Vorstellung. Es wird von vorneherein anerkannt, dass der Arzt über dem Patienten steht und dass ihm vielleicht sogar über die fachliche Erfahrung hinaus höhere Kenntnis oder bessere Fähigkeiten zugebilligt werden. Den Ärzten gefällt das wohl meist, oder sie sehen das sogar aus nicht immer transparenten Gründen für notwendig an. Das muss aber eventuell  gar nicht so selbstverständlich sein, wie oft angenommen wird.
In auf dieser Webseite genannten Ebooks wurde in anderem, aber nicht völlig beziehungslosem Kontext auf den nicht selten unerwartet engen Zusammenhang zwischen öffentlichem und privatem Leben hingewiesen. Auf das öffentliche Leben kann nur Einfluss nehmen, wer sich in der Hierarchie hoch arbeitet, also in einem gewissen Sinn mitspielt. Das mag bereits verformen. So hat sich die Tendenz verstärkt, im privaten Bereich anzufangen, was im Klartext heißt „bei sich selbst“.
Diese Problematik hat sehr mit dem zu tun, was auch bei uns wieder mit einem englischen Ausdruck in die Schlagzeilen gekommen ist, nämlich whistle-blowing. Der öffentliche Bereich sträubt sich energisch gegen zu viel Streuung von Information, weil Information Macht bedeutet und die Sicherheit angeblich gefährdet werden kann. Dieses Argument ist insbesondere in den beiderseitig hoch intelligenten Diskussionsbeiträgen von Barack Obama und Edward Snowden zugespitzt worden. Man kann den Eindruck bekommen, dass deren Auseinandersetzung im Grunde ebenfalls auf die Suche nach einem Mittleren Weg hinausläuft, wobei sehr zur Frage steht, um was es eigentlich geht,- gewiss nicht nur um möglichen Nutzen oder Schaden.
Als Autor dieses Textes sei mir an dieser Stelle erlaubt, kurz von mir selbst zu reden. Mein eigener Weg weicht ganz offensichtlich ziemlich von den üblichen gesellschaftlichen Vorstellungen ab. So bin ich bisweilen mit durchaus nicht erfreulichen Reaktionen konfrontiert, die von stiller Ablehnung bis zu harscher Kritik reichen. Letzteres kann sich auf ein weites Feld erstrecken, was aber damit zusammenhängen mag, dass ich bewusst Spezialistentum vermieden und dafür eine weit gespannte Sicht angestrebt habe. Das wird symbolisiert durch einen herumfliegenden Raben mit gutem „cognition and processing“, aber nicht nur auf rationale Art.
Es dürfte ohne Zweifel zutreffen, obwohl ich vielleicht wohlweislich mit keinem Arzt darüber gesprochen habe, dass bei mir ADHS (bzw. englisch ADHD) vorliegt. Das bedeutet ein Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (engl. disorder)  und wird von den Ärzten selbstverständlich als eine Krankheit angesehen, während ich selber zumindest damit etwas zurückhaltender bin, und zwar nicht nur, um mich zu rechtfertigen oder in ein gutes Licht rücken zu wollen. Es mag arrogant und zunächst unangenehm klingen, aber ich möchte eben die Aufmerksamkeit vor allem auf andere ihnen vielleicht nicht deutliche, aber mir aufgrund von vielfältigen Lebenserfahrungen durchaus wichtig erscheinende Dinge richten.
Die Suche nach einem Mittleren Weg hat sehr mit der persönlichen Einordnung zu tun. Daraus ergibt sich dann die gesellschaftliche Einordnung, wofür im asiatischen Denken oder Empfinden gern das Bild von Wassertropfen benutzt wird, die durch Zusammenwirken ihrer eigenen Orientierung zu den jeweiligen benachbarten Tropfen die Orientierung eines gesamten Flusses ergeben. Für einen Arzt dürfte nun die entscheidende Frage sein, ab welcher Stärke eine Abweichung als Krankheit bezeichnet wird. Der Arzt dient aber ebenfalls nicht nur dem Individuum, sondern auch der Gesellschaft. Dadurch, dass jemand für krank erklärt wird, gibt er eine Rechtfertigung zum Eingreifen nicht unbedingt nur im Sinne des Patienten, sondern auch zum angeblichen Wohl der Gesellschaft und unter der Berücksichtigung von längst nicht immer eindeutigen modernen Gesetzen. An diesem Punkt kommt erneut unklare Beurteilung ins Spiel. Ist der Mittlere Weg aber auch nur ein unklares Spiel? Er riecht nach Statistik und zwar nach Art der Brown‘scher Molekularbewegung, unter welcher der zugrunde liegende Prozess besagter Bewegung zunächst von Molekülen einer bestimmten Temperatur und dann aber auch von Wassertropfen in einem Fluss verstanden wird.
Diese statistische Bewegung kann so stark sein, dass Teilchen aus dem System hinaus katapultiert werden, was zum Beispiel verdampfen genannt wird und die Basis des sicher sinnvollen Regens ist. Dieser Vorgang bedeutet je nach Beschreibungsart eventuell eine Singularität, also ein Verlassen des kontinuierlichen und möglicherweise als „normal“ angesehenen Weges.
Jetzt sollten wir den Arzt nicht aus dem Blickfeld verlieren, der in seinem Bereich für einen derartigen Fall die Bezeichnung „krank“ verwenden wird.  Ob er daran denken wird, dass Regen eine sehr nützliche Sache sein kann?
Doch nun wieder eine Überblende zum heutigen öffentlichen Leben! In manchen Teilen der Welt herrscht immer größere Trockenheit und in anderen Teilen leiden die Menschen unter schrecklichen Überschwemmungen. Ist erst dies der richtige Moment, um von Krankheit zu sprechen, oder muss das auch selbst hier nicht unbedingt der Fall sein?
Der Natur kommt also eine wichtige Rolle in besagtem Spiel zu. Die Evolution lehrt uns durch Rekursion, dass auf solche Art eben Evolution, also sie selbst vor sich geht. Diese Art der Natur ist absolut nicht zimperlich, oft sogar grausam. Sowohl Mutationen als auch Umweltkatastrophen sind die Akteure, welche besonders entscheidende neue Entwicklungen hervorrufen. Man mag darüber urteilen, wie man will, doch schlussendlich müssen wir das akzeptieren.
Wieder zurück zum Arzt und dem Dilemma, was denn nun Krankheit sei! Ganz wesentlich ist also ein gesellschaftliches Interesse, welches er vertritt bzw. vertreten soll oder muss. Doch im Grunde wirkt er damit zumindest ab einem gewissen Punkt durch seine eingreifende Behandlung dem Lauf der Natur und damit der Entwicklung zuwider, welche auf der Selektion von sinnvollen Abweichungen beruht. So dürfte also der eigenen Entscheidung, gegenüber den Krankheitsbefunden eines Arztes skeptisch zu sein, nicht ganz die Begründung fehlen. Diese wiederum muss, wie eingangs hervorgehoben wurde, nicht nur rational sein, sondern kann von vielen anderen Faktoren abhängen,- von Gefühlen, von Sex, von eigenen Aktivitäten und vielleicht noch mehr.
Die persönliche Frage, was mit eigener ADHS zu tun sei, versuche ich also auf dem Mittleren Weg zu entscheiden. Dabei respektiere ich durchaus die Meinung sowohl eines Arztes als auch von Mitmenschen, aber wohl beachtend, dass ihnen vielleicht sogar häufig nur unvollständige Information und somit begrenzte Urteilsfähigkeit zugrunde liegt. Das bedeutet nicht im geringsten eine Geringschätzung, genauso wenig wie es die dadurch entstehende oder gestiegene Skepsis gegenüber Ärzten tut, welche wie gesagt mit Respekt, Status und Geld zusammen hängen mag. Jeder trägt im Grunde seine eigene Haut zum Markt, was auch in besagten Ebooks beschrieben wurde, aber häufig für irrelevant angesehen wurde. Jedenfalls sollte man in gewissen Situationen mit gutem Gewissen auf einen Arzt verzichten dürfen, ohne gleich in seinen Fähigkeiten angezweifelt zu werden.
Eine solche angebliche Krankheit wie dieses Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom könnte also auch eine eventuell zwar nicht einfache, aber auch anderen Menschen nutzbringende Möglichkeit sein, die zu etwas völlig unerwartet Neuem führen kann, womit ein Lernprozess eingeleitet werden kann. Das gilt im Prinzip für alle, die dafür offen sind, zunächst für den Betroffenen selbst und aber auch für Ärzte und ebenso für viele Mitmenschen. Die Leser von ARS-UNA.net sind damit ebenso gemeint.  

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Updated September 11, 2017